Flughafen Stuttgart plant für 6 Millionen ins Leere
Der Flughafen Stuttgart gab 6 Mio. Euro für Pläne neuer Abfertigungsgebäude aus, die nun wertlos sind, weil die Stadt nie Geld dafür einplante
Was ist passiert?
Der Stuttgarter Flughafen wird von der Flughafen Stuttgart GmbH betrieben. Die Landeshauptstadt hält 35 Prozent an deren Stammkapital von 50 Mio. Euro. Unter dem Namen „STRzero Terminals“ trieb die Gesellschaft ein Projekt voran, für dessen Umsetzung die Stadt Geld in Form einer Kapitaleinlage beisteuern sollte.
Auf den ersten Blick liest sich der Jahresabschluss 2025 wie eine Erfolgsmeldung. Die Fluggastzahlen stiegen um 4,8 Prozent, die Erlöse im Fluggeschäft legten bei allen wichtigen Entgeltarten zu. Erstmals seit 2019 steht wieder ein Gewinn in den Büchern: 2,08 Mio. Euro nach einem Verlust von 6,09 Mio. Euro im Vorjahr.
Wer weiterblättert, findet bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen einen Posten, der nicht ins freundliche Bild passt. Die Gesellschaft schrieb 6 Mio. Euro ab, die Vorlage selbst spricht von „vergeblicher Planungskosten“. Die Erklärung passt in einen Halbsatz: Die Stadt hatte die Mittel für die Kapitaleinlage, die zur Umsetzung benötigt worden wären, nicht in ihren Haushalt aufgenommen. Damit fehlte der Planung das Geld, auf das sie gebaut war.
Die Verwaltung fügt beruhigend hinzu, das Projekt werde „in einer veränderten Planung fortgeführt“. Das klingt nach Kontinuität. In der Bilanz sieht es anders aus: Hätten die bisherigen Pläne noch einen Wert, hätte die Gesellschaft sie nicht abschreiben müssen.
Wie schwer der Posten wiegt, zeigt der Abschluss selbst. Die abgeschriebenen 6 Mio. Euro sind fast dreimal so viel wie der gesamte Jahresgewinn (6 : 2,08 ≈ 2,9). Ohne die verlorene Planung hätte der Flughafen rechnerisch rund 8,1 Mio. Euro Gewinn ausgewiesen (2,08 + 6). Auf den städtischen Anteil von 35 Prozent entfallen davon rechnerisch 2,1 Mio. Euro (6 Mio. × 0,35).
Kritik
Für 6 Mio. Euro sind Pläne entstanden, deren Finanzierung nie gesichert war. Ein Unternehmen in öffentlicher Hand darf keine Millionen in die Planung stecken, bevor feststeht, dass seine Eigentümer das Vorhaben auch bezahlen wollen. Stadt und Flughafengesellschaft hätten sich abstimmen müssen, bevor die Planer loslegten, nicht erst danach. Dass das Projekt nun in anderer Form weiterlaufen soll, bringt das abgeschriebene Geld nicht zurück.
0474/2026 BV: Flughafen Stuttgart GmbH Jahresabschluss 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 22. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.