Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Teure Kleinigkeit

Teure Behelfsstraße statt Fahrradwerkstatt

Stuttgart plant für 600.000 Euro 550 Quadratmeter Straße mit Behelfsbelag am neuen Jugendhaus und streicht die Fahrradwerkstatt

Was ist passiert?

Der Jugendtreff in der Franz-Schubert-Straße sitzt seit über dreißig Jahren in einem Gebäude, das einst nur als Provisorium bezogen wurde. Es ist beengt, baulich veraltet und soll Wohnungen eines privaten Bauträgers weichen. Dass auf dem ehemaligen Festplatz ein Ersatz entstehen soll, ist unstrittig. Bauherrin ist die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft gGmbH, bezahlen soll fast alles die Stadt. Von den 6,314 Mio. Euro für das Haus übernimmt sie auch den Eigenanteil der Bauherrin. Nur 1,084 Mio. Euro kommen von Bund und Land.

Die Architekten wurden bereits 2019 ausgewählt, fertig sein soll das Haus Ende 2030 oder Anfang 2031. Unterwegs zeigte sich, dass Bohrpfähle und ein Habitat für Mauereidechsen zusammen 325.000 Euro kosten, die im ursprünglichen Budget fehlten. Die Kostenberechnung landete bei 6,84 Mio. Euro. Zum Abspecken berief man sich auf den Gebäudetyp E, das neue Leitbild vom einfachen Bauen. Gestrichen wurden rund 530.000 Euro, darunter die Fahrradwerkstatt samt Raum für Einzelgespräche (105.000 Euro), das Behinderten-WC im Straßengeschoss und ein Balkon. Ausgerechnet die Fahrradwerkstatt hatten die Architekten noch als einen der Wünsche der Jugendlichen genannt, die im Mittelpunkt der Planung gestanden hätten.

Beim Umfeld fällt die Rechnung weniger bescheiden aus. Weil die Zufahrt zu den benachbarten Tennishallen über das Baufeld führt, soll das Tiefbauamt Straße und Kanal für zusammen 1 Mio. Euro verlegen. Der Neubau der Straße ist mit 600.000 Euro für 550 Quadratmeter angesetzt. Das sind rund 1.090 Euro je Quadratmeter (600.000 geteilt durch 550). Förderfähig sind 250 Euro, und gebaut werden soll zunächst nur eine Baustraße mit provisorischem Belag. Die Planungsmittel für das Haus steigen derweil von 420.000 auf 1,4 Mio. Euro, abgezweigt aus Tiefbaumitteln des Projekts Stuttgart 27. Als Puffer für Unvorhergesehenes bleiben 62.540 Euro, also ein Prozent. Empfohlen sind fünf.

Kritik

Ein Jugendhaus, das von der Vergabe der Planung bis zur Eröffnung rund zwölf Jahre braucht, wird zwangsläufig teurer. Wer dann sparen muss, sollte zuerst bei der Infrastruktur rund um das Gebäude ansetzen und nicht bei den Räumen, für die das Haus überhaupt gebaut wird. Eine Straße für mehr als das Vierfache der förderfähigen Kosten je Quadratmeter gehört ebenso auf den Prüfstand wie eine Reserve von einem Prozent, die beim ersten Nachtrag aufgebraucht sein dürfte. Da die Stadt fast das gesamte finanzielle Risiko trägt, muss sie auf eine straffe Planung und belastbare Kosten bestehen.

0641/2026 BV: Sanierung Botnang 1 -Franz-Schubert-Straße- Ersatzneubau Haus der Jugend durch die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft gGmbH und Ersatzneubau Kanal und Erschließungsstraße durch das Tiefbauamt sowie Freigabe weiterer Planungsmittel - Beschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 15. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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