Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlplanung

Kulturzentrum schrumpft, Kosten kaum

Der Umbau des Alten Zollamts in Stuttgart kostet ohne gestrichenes Stadtteilhaus 25,6 statt 27,8 Millionen Euro, kaum weniger

Was ist passiert?

Im Sanierungsgebiet Veielbrunnen steht das Alte Zollamt. Das Gebäude gehörte früher der Bahn, heute bietet dort die Kulturinsel Stuttgart Konzerte, Gartenprojekte und Partys an. Die Stadt will es modernisieren und so zum Treffpunkt zwischen dem alten Quartier und dem neuen NeckarPark machen. Geplant waren drei Nutzungen: ein soziokulturelles Zentrum, ein Biergarten und ein Stadtteilhaus. Für das Stadtteilhaus sollten Süd- und Mittelbau aufgestockt werden, der Südbau sogar um zwei statt um ein Stockwerk. Dadurch wuchs die Geschossfläche gegenüber dem Wettbewerbsentwurf von 2019 von 2.700 auf rund 3.439 Quadratmeter.

Anfang Februar 2026 war die Entwurfsplanung fertig, die Kostenberechnung datiert vom 4. Februar. Zwölf Tage später, am 16. Februar, teilten das Jugendamt und das Amt für Soziales und Teilhabe mit, dass sie aussteigen. Als Grund nannten sie die Haushaltskonsolidierung. Die eben abgeschlossene Planung muss nun umfassend überarbeitet werden. Dafür sollen die Planungskosten um 600.000 Euro auf 2,6 Mio. Euro steigen. Angefangen hatte man 2020 mit 370.000 Euro, inzwischen ist es das Siebenfache.

Auf dem Papier spart der Wegfall rund 6,4 Mio. Euro, weil Aufstockungen und ein Servicebau entfallen. In der Gesamtrechnung kommt davon wenig an: Statt 27,8 Mio. Euro sollen es 25,6 Mio. Euro werden, also gerade 2,2 Mio. Euro weniger. Neben der Umplanung zehrt vor allem eine Position die Einsparung auf, die in der Kostenberechnung ausdrücklich ausgeklammert war. Für 72 Stellplätze im Quartiersparkhaus werden je 58.800 Euro fällig, zusammen 4,23 Mio. Euro. Das Geld wird zwar stadtintern verrechnet, die Plätze müssen aber zusätzlich dauerhaft angemietet werden. Ob Bund und Land die Ablöse mitfördern, hat die Stadt beim Regierungspräsidium angefragt.

Die eigene Finanzverwaltung, das Referat WFB, spricht von einem Missverhältnis. Im Regelfall würde es eine kritische Überprüfung des ganzen Projekts auslösen. Mitgetragen wird der Beschluss trotzdem, wegen der gekoppelten Fördermittel. Der Gemeinderat soll am 30. Juli 2026 entscheiden.

Kritik

Wer ein Stadtteilhaus aus Spargründen streicht, muss das klären, bevor die Planer den Entwurf fertigstellen, und nicht zwölf Tage danach. So hat die Stadt eine Planung bezahlt, die sie nicht mehr braucht, und zahlt nun weitere 600.000 Euro für die neue. Wenn selbst die eigene Finanzverwaltung ein Missverhältnis sieht, reicht der Verweis auf Fördermittel als Rechtfertigung nicht, denn auch Zuschüsse von Bund und Land sind Steuergeld. Das verkleinerte Projekt hätte vor dem nächsten Planungsschritt auf den Prüfstand gehört.

0111/2026 BV: Sanierung Bad Cannstatt 16 -Veielbrunnen- Modernisierung und Umbau Altes Zollamt Erhöhung der Planungskosten zur Umplanung wegen Leistungswiederholung durch den Entfall des Stadtteilhaus, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 22. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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