Neubau für Stuttgarts Straßenreiniger doppelt so teuer
Das neue Gebäude für Straßenreinigung und Winterdienst in Stuttgart-Feuerbach kostet 16,9 statt geschätzter 8,36 Mio. Euro
Was ist passiert?
Von der Leobener Straße im Feuerbacher Gewerbegebiet aus reinigt die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) die Straßen im Norden der Stadt. Im Winter räumt sie dort auch den Schnee. An der Betriebsstelle arbeiten 86 Menschen. Ihr Gebäude wurde 1974/75 in Holztafelbauweise errichtet und ist von Schimmel und Fäulnis befallen. Dass es ersetzt werden muss, steht außer Frage. Fragwürdig ist der Preis.
Beim Vorprojektbeschluss im März 2023 lag eine grobe Schätzung von 8,36 Mio. Euro vor. Die Vorlage für den Projektbeschluss vom Juni 2026 nennt nun 16,9 Mio. Euro, also gut das Doppelte. Auch ohne die Baupreissteigerung bleibt ein Plus von rund 5 Mio. Euro: 15,0 statt 9,96 Mio. Euro, etwa die Hälfte mehr. Ein Grund ist die Heizung. Die Planer waren von Fernwärme ausgegangen, doch Ende 2023 sagten beide Versorger ab. Die eigene Energiezentrale kostet nun 1,25 Mio. Euro. Weitere 1,71 Mio. Euro verbucht die Verwaltung unter Planungsgrundlagen, die sich seit der Machbarkeitsstudie von 2018 „deutlich verändert“ hätten. Dazu gehört eine aufwändige Unterbauung des Hofs. Für zusätzliche Flächen kommen noch einmal 1,17 Mio. Euro hinzu.
Im Dachgeschoss soll eine Kantine mit Aufbereitungsküche, Terrasse und einem Speisesaal für 115 Plätze entstehen. Damit gibt es mehr Plätze, als Menschen auf dem Hof arbeiten. Welcher Anteil der Kantine als Betrieb gewerblicher Art geführt wird, will die Stadt erst später ermitteln.
Auch der Zeitplan ist ins Rutschen geraten. Nach der Entwurfsplanung wechselte die Stadt den Architekten, und die Planung verzögerte sich. Baubeginn soll nun im Dezember 2026 sein, die Fertigstellung im Dezember 2029. Das ist elf Jahre nach der Machbarkeitsstudie. Die Baugenehmigung für die Sanitärcontainer vom August 2024 ist auf fünf Jahre befristet.
Bezahlt wird mit Krediten. Je Beschäftigtem ergibt das rund 196.000 Euro (16,9 Mio. Euro geteilt durch 86). Die Verwaltung verweist darauf, dass die Kosten denen vergleichbarer AWS-Betriebshöfe entsprechen. Billiger wird der Neubau dadurch allerdings nicht.
Kritik
Wer ein Vorhaben auf Grundlage einer groben Schätzung beschließen lässt, ohne vorher zu klären, ob es überhaupt Fernwärme gibt, plant ins Blaue. Ein Betriebshof für Straßenreinigung und Winterdienst braucht Garagen, Umkleiden und Duschen, aber keinen Speisesaal mit mehr Plätzen, als dort Menschen arbeiten. Raumprogramm und Kantine hätten vor dem Projektbeschluss auf das Nötige zurückgeschnitten werden müssen. Weil alles über Kredite finanziert wird, belastet jede vermeidbare Ausgabe den Haushalt über Jahre.
0173/2024 BV: Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) Abbruch und Neubau eines Betriebsgebäudes auf der AWS-Betriebsstelle Neckar, Leobener Straße 84 - Projektbeschluss - - vorgezogener Baubeschluss für Vorabmaßnahmen -, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 21. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.