Rampen teurer als die Radbrücke
In Stuttgart sollen Rampen hinauf zu einer alten Bahnbrücke für Radfahrer bis zu 20 Mio. Euro kosten, die Brücke selbst nur bis zu 15 Mio
Was ist passiert?
Seit über 100 Jahren überspannt die alte Eisenbahnbrücke am Neckarknie den Fluss zwischen Bad Cannstatt und der Innenstadt. Dahinter führt der Rosensteintunnel unter dem Park hindurch. Mit Stuttgart 21 braucht die Bahn beide Bauwerke nicht mehr, abreißen darf man sie aber auch nicht: Brücke und Tunnel stehen unter Denkmalschutz. Die Stadt will daraus eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer machen. Das klingt vernünftig, zumal die benachbarte König-Karl-Brücke mit über einer Million Radfahrenden im Jahr schon heute ein Engpass ist.
Eine Machbarkeitsstudie hat drei Szenarien durchgerechnet. Die Verwaltung empfiehlt den Erhalt. Die Sanierung der Brücke soll grob 10 bis 15 Mio. Euro kosten, der Tunnel 5 bis 7 Mio. Euro, Treppentürme mit Aufzügen 3 bis 5 Mio. Euro. Der größte Posten ist aber nicht die Brücke, sondern der Weg hinauf: Für die Rampen an der Schönestraße sind 15 bis 20 Mio. Euro veranschlagt. Von den Gesamtkosten von 33 bis 47 Mio. Euro brutto entfallen damit gut zwei Fünftel auf die Rampen (15 von 33 und 20 von 47 Mio. Euro).
Aufschlussreich ist ein Nebensatz der Vorlage. Die Rampen ließen sich demnach auch auf den vorhandenen Flächen der Schönestraße bauen. Die Verwaltung hält es dennoch für zielführend, sie zusammen mit einem langfristigen Umbau der Straße und des Knotens König-Karl-/Mercedesstraße zu planen. Als Vorzugslösung gilt die Variante „Kombi“ mit einer Verteilerplattform über der Schönestraße für rund 18 Mio. Euro.
Ob die Stadt Brücke und Tunnel überhaupt von der Bahn übernimmt, ist offen, ebenso die Finanzierung. Selbst bei den Tunnelkosten sind sich die Unterlagen nicht einig: Mal stehen dort 5 bis 7, mal 3 bis 5 Mio. Euro. Zunächst soll für 465.000 Euro eine Vorplanung vergeben werden. Sie gilt ausgerechnet nur dem Fußverkehr. Über die Radanbindung, mit der das ganze Vorhaben begründet wird, will die Stadt erst später entscheiden.
Kritik
Wenn die Auffahrten zu einer Radbrücke mehr kosten als die Brücke selbst, gehört die Planung auf den Prüfstand, bevor weiteres Geld fließt. Lassen sich die Rampen auf den vorhandenen Flächen der Schönestraße bauen, muss diese schlichte Lösung Vorrang haben, statt sie an einen ohnehin offenen Großumbau des Straßenknotens zu koppeln. Ebenso sollte die Stadt mit der Bahn klären, wer Unterhalt und Sanierung bezahlt, bevor sie Planungsgeld für Bauwerke ausgibt, die ihr noch gar nicht gehören.
2014/2025 MV: Nachnutzung der alten Eisenbahnbrücke über den Neckar und Rosensteintunnel, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 18. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.