Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Kostensteigerung

Spielplatz erst geschätzt, dann den Boden geprüft

Stuttgart rechnet für einen Spielplatz in Botnang mit 1,32 Mio. statt 833.000 Euro, weil Boden und Lärm erst danach untersucht wurden

Was ist passiert?

Zwischen Kauffmannstraße und Belauweiher liegt eine Spielanlage von 8.300 Quadratmetern. Sie gehört zum Sanierungsgebiet Botnang 1, das seit 2016 besteht. Hier soll das erste sichtbare Bauprojekt des Gebiets entstehen: ein Ballsportfeld, ein Spielplateau für Klein und Groß, ein Streetballfeld für Jugendliche und Sitzplätze mit Blick aufs Wasser. Ihre Wünsche dafür brachten die Bürger zwischen 2018 und 2022 in mehreren Veranstaltungen ein.

Im November 2022 schätzte das Garten-, Friedhofs- und Forstamt die Kosten auf rund 833.000 Euro. Zweieinhalb Jahre später stehen 1,32 Mio. Euro in der Vorlage. Einen Teil davon erklärt der Baumarkt: Im Garten- und Landschaftsbau stiegen die Preise um 20,8 Prozent. Auf die alte Schätzung angewendet sind das rund 173.000 Euro (833.000 x 0,208). Die übrigen gut 310.000 Euro der Mehrkosten von 487.000 Euro gehen auf Änderungen an der Planung zurück.

Das Bodengutachten verlangt einen tieferen Aushub, die Erdmenge vervierfacht sich. Die geplanten Fertigteile für die Einfassungen der Spielflächen sind nicht hoch genug, die Ersatzlösung kostet das Dreifache. Für den Ballfangzaun war wegen der Lage ein einfaches Modell kalkuliert. Das Lärmgutachten sah das anders, nun muss der Zaun Lärm dämpfen. Außerdem ist statt eines Trinkbrunnens ein Wasserspielbereich vorgesehen. In der Schätzung von 2022 standen für Gutachten und Beratung übrigens null Euro.

Je Quadratmeter steigen die Baukosten laut Kostenermittlung von rund 100 auf rund 154 Euro. Das Land fördert 60 Prozent der zuwendungsfähigen 1,254 Mio. Euro, also rund 752.000 Euro. Bei der Stadt bleiben gut 567.000 Euro hängen. Hinzu kommen nach der Folgekostenberechnung jährlich rund 99.000 Euro für Betrieb und Abschreibungen.

An Zeitdruck fehlt es trotzdem nicht. Das Jubiläumsjahr des Stadtbezirks biete eine ideale Gelegenheit, die Maßnahme „öffentlichkeitswirksam auf die Baustelle zu bringen“, schreibt die Verwaltung. Der Ausschuss soll am 15. Juli 2025 über Bau und Vergabe entscheiden.

Kritik

Wer die Gutachten erst nach der Kostenschätzung einholt, legt dem Gemeinderat eine Zahl vor, die nicht halten kann. Baugrund, Lärmschutz und Höhen für den Fallschutz hätten vor dem Grundsatzbeschluss geklärt sein müssen und nicht danach. Statt die Mehrkosten zum Anlass zu nehmen, Wünsche wie den Wasserspielbereich zu überprüfen, kommt sogar noch etwas hinzu. Ein Jubiläumsjahr ist kein Grund, eine Kostensteigerung von 58 Prozent durchzuwinken.

0084/2025 BV: Sanierung Botnang 1: Franz-Schubert-Straße- Umgestaltung der Spielanlage Kauffmannstraße/ Belauweiher -Bau- und Vergabebeschluss-, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 11. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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