Stadt zahlt Filmfest mehr als das Doppelte
Stuttgart zahlt dem Indischen Filmfestival 148.500 statt 62.500 Euro im Jahr, weil ein privater Geldgeber ausstieg, und das soll so bleiben
Was ist passiert?
Das Indische Filmfestival Stuttgart zeigt Autoren- und Independentkino aus Indien und gilt als eines der größten Festivals seiner Art in Europa. Veranstalter ist das Filmbüro Baden-Württemberg. Die Stadt fördert das Festival institutionell mit 62.500 Euro im Jahr, finanziert wurde es lange Zeit auch von einem Hauptsponsor.
Dieser Sponsor sagte kurzfristig ab, und die Stadt füllte die Lücke. Für 2024 und 2025 erhöhte sie ihren Zuschuss um 86.000 Euro auf 148.500 Euro. Das ist ein Plus von rund 138 Prozent (86.000 geteilt durch 62.500). In beiden Jahren zusammen flossen damit 172.000 Euro zusätzlich aus dem Stadthaushalt. Für die Landesfilmschau mit Jugendfilmpreis erhält das Filmbüro außerdem 44.700 Euro. Zusammen sind das 193.200 Euro im Jahr.
Die Erhöhung war ausdrücklich befristet. Ein Runder Tisch sollte das Festival evaluieren und Szenarien für die Zukunft erarbeiten, weil die Sponsorengelder fehlen. Die Pläne, die die Vorlage beschreibt, sehen allerdings nicht nach Sparen aus. Das Festival soll in der Stadt sichtbarer werden. Angedacht ist ein „Indian Village“ auf dem Schlossplatz, außerdem sollen Eröffnung, Preisverleihung und Rahmenprogramm ausgebaut werden. Für Kooperationen mit anderen Indien-Partnern würden zusätzliche Mittel gebraucht. Hinzu kämen gestiegene Kosten für Kino, Personal, Technik und Dienstleistungen. Wie hoch der Mehrbedarf ist, steht nicht in der Vorlage.
In ihrem Sachstandsbericht vom Mai 2025 zieht die Kulturverwaltung daraus einen klaren Schluss: Ohne eine Entfristung der Zusatzmittel sei das Weiterbestehen des Festivals und damit auch des Filmbüros unrealistisch. Die Überbrückungshilfe für einen ausgefallenen Sponsor soll also zum Dauerzuschuss werden. Dabei beklagt dieselbe Verwaltung in derselben Vorlage, dass institutionelle Förderungen früher praktisch automatisch fortgeschrieben und nie kritisch geprüft worden seien. Wie der Gemeinderat über die Zusatzmittel entscheidet, war zum Zeitpunkt der Vorlage offen.
Kritik
Wenn ein privater Hauptsponsor abspringt, darf die Stadt nicht stillschweigend seine Rolle übernehmen. Eine befristete Überbrückung kann man vertreten, danach muss das Festival aber neue Geldgeber finden oder kleiner werden. Wer seinen Sponsor verloren hat, sollte keinen Ausbau mit einem Dorf auf dem Schlossplatz planen und dafür dauerhaft mehr Steuergeld verlangen. Die Zusatzmittel sollten wie vorgesehen auslaufen.
0452/2025 MV: Sachstand befristete Beschlüsse bis Ende 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 3. Juni 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.