Stuttgart: Geld für Schulrechner vorzeitig alle
Stuttgart zahlt für die Betreuung der Rechner in seinen Schulbüros 500.000 Euro extra, ohne neue Ausschreibung, obwohl der Bedarf absehbar war
Was ist passiert?
In den Sekretariaten und Rektoraten der 150 Stuttgarter Schulen laufen Rechner, Drucker und Benutzerkonten über ein eigenes Verwaltungsnetz. Betreut wird es von einem externen Dienstleister. Im Februar 2023 schloss die Stadt mit ihm einen Rahmenvertrag über 47 Monate, also bis Dezember 2026. Der Zuschlag lag bei rund 1,82 Mio. Euro brutto.
Das Geld reicht allerdings nicht bis zum Ende. Nach Kalkulation der Verwaltung ist der Rahmen im April 2026 ausgeschöpft, nach 39 von 47 Monaten. Deshalb legte die Verwaltung eine Erweiterung um bis zu 500.000 Euro vor, ohne erneute Ausschreibung. Für die restlichen acht Monate von Mai bis Dezember wären das 62.500 Euro im Monat. Der ursprüngliche Vertrag sah im Schnitt rund 38.800 Euro vor (1,82 Mio. Euro geteilt durch 47 Monate).
Begründet wird der Nachschlag mit zehn Sonderbedarfen, die bei der Ausschreibung angeblich nicht vorhersehbar waren. Ein Blick auf die Liste lässt daran zweifeln. Rund 360 Geräte mussten 2025 getauscht werden, weil der Support für Windows 10 im Oktober 2025 auslief. Die Schulsoftware S-Plan wurde abgelöst, obwohl der Hersteller sie schon 2008 nicht mehr unterstützte. Hinzu kam der Umzug von rund 300 Arbeitsplätzen, eine Folge der Neuorganisation des Schulverwaltungsamts. Der Abschlussbericht zu dieser Neuorganisation liegt der Vorlage sogar bei. Er stammt vom August 2022, ein halbes Jahr vor Vertragsschluss.
Die Verwaltung gibt immerhin zu erkennen, dass beim Vertrag manches schiefgelaufen ist. Die Zuständigkeiten zwischen Schulverwaltungsamt und IT-Amt sollen neu geordnet werden, ebenso das Controlling künftiger Verträge. Außerdem soll eine IT-Strategie entstehen. Die Ausschreibung für 2027 werde vorbereitet.
Kritik
Wer einen Vierjahresvertrag schließt und ein Jahr vor dem Windows-10-Ende sowie nach einer bereits beschlossenen Amtsreform von Überraschungen spricht, hat schlecht kalkuliert. Die Ausnahme vom Vergaberecht dient hier dazu, mangelnde Planung nachträglich zu heilen, und schaltet dabei den Wettbewerb aus. Absehbare Aufgaben wie Betriebssystemwechsel, Softwareablösung und Umzüge gehören von Anfang an in die Ausschreibung. Der neue Vertrag ab 2027 muss mit einem realistischen Volumen und einem laufenden Controlling ausgeschrieben werden.
2076/2025 BV: Auftragserweiterung des Dienstleistungsrahmenvertrags für das Schulverwaltungsamt, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 28. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.