Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlplanung

Stuttgart kauft Küche, aber keine Köche

Stuttgart stellt 825.000 Euro für die Einrichtung einer Kantine der Stadtverwaltung bereit, aber kein Geld für Köche, also bleibt sie zu

Was ist passiert?

Die Stadtverwaltung nutzt in Stuttgart das angemietete Verwaltungsgebäude „GreenRoofOffice“. Für die Beschäftigten dort sollte es ein eigenes Betriebsrestaurant geben. Im November 2025 stimmte der Gemeinderat einer entsprechenden Änderung des Mietvertrags zu. Über Geld und Personal sollte in den Haushaltsberatungen entschieden werden.

Dort wurde dann nur die halbe Rechnung beglichen. In den Doppelhaushalt 2026/27 kamen 425.000 Euro für Küchen- und Restaurantausstattung und 400.000 Euro für Küchengroßgeräte, zusammen 825.000 Euro. Die Stellen, ohne die in dieser Küche kein Herd angeht, wurden mit Verweis auf die Haushaltslage nicht geschaffen. Gebraucht hätte die Stadt netto 9,65 Stellen: einen Facheinkäufer, eine Küchenleitung, Köche und Küchenhilfen. Einen Teil der Belegschaft sollte die Garküche Weimarstraße des Tiefbauamts mitbringen, deren Schließung vorgesehen war.

Der Zeitplan war genau gestaffelt. Anfang 2026 sollte der Facheinkäufer beginnen, im Sommer 2026 die Küchenleitung, zum Jahresende sollten die übrigen Stellen ausgeschrieben werden. Eröffnet werden sollte zu Beginn des zweiten Quartals 2027. Das Geld war schneller unterwegs als das Personal: Aufgrund des Mietvertrags wurden bereits 306.350 Euro an den Vermieter zur Beschaffung freigegeben. Das sind gut 37 Prozent der gesamten Investitionssumme (306.350 von 825.000 Euro), ohne dass auch nur eine einzige Küchenstelle bewilligt war.

Im Juni 2026 musste die Verwaltung den Ausschuss informieren, dass das gekürzte Stellenkontingent „bei Weitem nicht“ ausreiche. Eine Eröffnung sei damit nicht möglich. Bis auf Weiteres sollen keine weiteren Aufträge für die Einrichtung vergeben werden. Stattdessen prüft das Haupt- und Personalamt nun andere Wege, die Belegschaft mittags zu versorgen. Bezahlt werden könnten diese mit den Sachmitteln, die ursprünglich für das Restaurant eingeplant waren. Ein Restaurant ist damit vorerst nur auf dem Papier entstanden, die Rechnung für die Ausstattung aber teilweise schon real.

Kritik

Investitionen und Personal gehören bei einem Betriebsrestaurant untrennbar zusammen. Wer die Großgeräte finanziert, die Köche aber streicht, kauft Ausstattung für einen Betrieb, der nicht stattfinden kann. Spätestens in den Haushaltsberatungen hätte man sich für beides oder für keines entscheiden müssen. Solange die Personalfrage offen war, hätte kein Euro für die Einrichtung freigegeben werden dürfen.

0357/2026 MV: Personalausstattung für das geplante Betriebsrestaurant im Verwaltungsgebäude „GreenRoofOffice“ (GRO) (Fritz-Elsas-Str. 31-33, Hohe Str. 26 und Leuschnerstr. 25 in 70174 Stuttgart), Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 17. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Stuttgart

  1. 07.10.2026Stuttgart Stadtwerke Stuttgart verlieren 77.000 Euro am Tag 28,2 Mio. € Stuttgarts stadteigene Strom- und Gasfirma machte 2025 gut 28 Millionen Euro Verlust und investierte nur die Hälfte des Geplanten
  2. 23.09.2026Stuttgart Hallenbad auf dem Papier zu teuer 60,5 Mio. € Stuttgart setzt für ein neues Hallenbad 60,5 statt 37,8 Mio. Euro an und zählt dabei 7,7 Mio. Euro für höhere Baupreise doppelt
  3. 22.09.2026Stuttgart Stuttgarter Klärwerk: 7,6 Mio. Euro für Lkw-Fahrten 7,57 Mio. € Stuttgart zahlt 7,6 Mio. Euro, um verschmutztes Wasser aus dem Klärwerk vier Jahre per Lkw abholen zu lassen, weil die eigene Anlage kaputt ist

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz