Stuttgart trägt Vereinssporthalle fast allein
Für das 6,9 Millionen Euro teure Sportzentrum eines Vereins in Wangen zahlt Stuttgart 3,2 Millionen und bürgt für Kredite über 2,5 Millionen
Was ist passiert?
Wangen gehört zu den Oberen Neckarvororten im Stuttgarter Osten. Dort fehlen nach Feststellung der Stadt Sporthallen. Auf dem früheren Gelände des VfL Wangen in der Kesselstraße baut deshalb der SportKultur Stuttgart e.V. ein Sportvereinszentrum. Es soll Kursräume, eine ins Gebäude integrierte Frischlufthalle, die neue Geschäftsstelle des Vereins, ein Fitnessstudio und eine Sauna bekommen.
Die Kosten wurden 2023 auf 6.932.100 Euro berechnet. Im Oktober 2023 bewilligte der Verwaltungsausschuss dem Verein einen städtischen Zuschuss von 3,2 Millionen Euro. Auch der Württembergische Landessportbund gibt Geld. Für den Rest will der Verein zwei Bankdarlehen über zusammen bis zu 3,3 Millionen Euro aufnehmen, 3 Millionen Euro davon mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Die Bank verlangt dafür eine Bürgschaft. Eine andere vollständige Sicherheit kann der Verein nicht stellen, und die Bank würde sie auch nicht annehmen.
Am 23. Januar 2025 beschloss der Gemeinderat, für 75 Prozent der Kredite zu bürgen, also für höchstens 2.475.000 Euro. Fitnessstudio und Sauna wurden dabei weitgehend herausgerechnet, weil die Gemeindeordnung Bürgschaften nur für kommunale Aufgaben erlaubt.
Zählt man Zuschuss und Bürgschaft zusammen, steht die Stadt für bis zu 5,675 Millionen Euro ein. Das sind rund 82 Prozent der berechneten Baukosten (5,675 von 6,93 Millionen Euro). Als Gegenleistung erhält sie einmalig 0,5 Prozent des verbürgten Betrags, höchstens 12.375 Euro. Auf die 30 Jahre Laufzeit des großen Darlehens verteilt sind das gut 410 Euro im Jahr.
Die Verwaltung ist zuversichtlich. Nach den vorgelegten Unterlagen werde der Verein seine Raten stets pünktlich zahlen. Der Verein rechnet mit zusätzlichen Einnahmen und mit weniger Kosten für angemietete Hallen. Die Bank teilte diese Zuversicht offenbar nicht, sonst hätte sie keine städtische Sicherheit verlangt.
Kritik
Die Stadt zahlt fast die Hälfte des Neubaus aus eigener Tasche und übernimmt zusätzlich das Kreditrisiko für einen großen Teil des Rests. Zusammen trägt sie damit über vier Fünftel des Vorhabens, während Bauherr und Eigentümer der Verein bleibt. Wenn die Bank einem Verein ohne städtische Rückendeckung kein Geld leihen will, ist das ein Warnsignal und kein Anlass für eine Bürgschaft gegen eine symbolische Einmalgebühr. Entweder baut die Stadt die fehlende Halle selbst und behält sie in eigener Hand, oder der Verein plant so, dass er seine Finanzierung aus eigener Kraft absichern kann.
0614/2024 BV: Übernahme einer Ausfallbürgschaft für den SportKultur Stuttgart e.V., Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 22. Januar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.