Stuttgart zahlt 5,3 Millionen für vier Sporttage
Stuttgart will 2027 Deutsche Meisterschaften vieler Sportarten ausrichten und trotz knapper Kassen 5,3 Millionen Euro selbst zahlen
Was ist passiert?
Bei den Finals werden die Deutschen Meisterschaften vieler Sportarten an wenigen Tagen in einer Stadt gebündelt. ARD und ZDF übertragen live, der Eintritt ist meist frei. 2027 soll Stuttgart Gastgeber sein: Speedklettern auf dem Schlossplatz, Kanu in den Weinbergen, dazu ein Finals-Park mit Public Viewing. Vorgesehen sind vier Wettkampftage, Ende Juli oder Anfang August.
Die Rechnung legte die Verwaltung im Juli 2025 dem Gemeinderat vor. Brutto soll die Stadt rund 7,8 Mio. Euro aufbringen. Allein 3,1 Mio. Euro sind als Defizitzuschüsse an die Sportverbände eingeplant. Knapp 3 Mio. Euro gehen an die Finals GmbH, davon gut 1,3 Mio. Euro für die TV-Produktion. Beim Land hatte die Stadt ein Drittel der Kosten beantragt, also rund 2,6 Mio. Euro. Zugesagt wurde höchstens 1 Mio. Euro. Abzüglich erhoffter Sponsoringeinnahmen von 1,5 Mio. Euro bleiben netto 5,3 Mio. Euro bei der Stadt. Das sind rund 1,3 Mio. Euro je Wettkampftag (5,3 Mio. Euro geteilt durch vier Tage).
Dass dieser Betrag schlecht in eine Zeit knapper Kassen passt, weiß die Verwaltung selbst. Sie räumt ein, der Vorschlag möge angesichts der finanziellen Schwierigkeiten und der Konsolidierungsbemühungen überraschen. Überzeugen sollen dann der Ruf als Sportstadt und die Umwegrentabilität. Belegt wird Letztere mit einer Evaluation aus Berlin, die für 2022 eine Wertschöpfung von 20,9 Mio. Euro errechnete, und mit Erfahrungen aus der Fußball-EM. Eine Schätzung für Stuttgart selbst enthält die Vorlage nicht.
Auch sonst ist manches offen. Die Leichtathletik, eine der quotenstärksten Sportarten, kann mangels geeigneter Anlagen nicht in Stuttgart stattfinden. Nach dem Rückzug Ulms ist die Partnerstadt, die einen Teil der Gemeinkosten tragen soll, noch nicht gefunden. Selbst die Kostentabelle ist nicht eindeutig: Je nach Spalte kostet Stuttgarts Anteil 7,60 oder 7,85 Mio. Euro. Und die 1,5 Mio. Euro Sponsoring für Stuttgart stehen neben einer Gesamtspalte, die für beide Städte zusammen nur 1 Mio. Euro ausweist. Ganz nebenbei vermerkt die Vorlage, dass die Veranstaltung den CO₂-Ausstoß erhöht.
Kritik
Wer selbst einräumt, dass ein Vorhaben nicht zur Haushaltslage passt, sollte es nicht trotzdem zur Abstimmung stellen. Spätestens als das Land statt der beantragten 2,6 Mio. Euro nur 1 Mio. Euro zusagte, hätte die Stadt das Programm deutlich verkleinern oder auf die Ausrichtung verzichten müssen. Vier Tage Spitzensport rechtfertigen keine 5,3 Mio. Euro aus einer Kasse, die gerade konsolidiert werden soll. Eine Umwegrentabilität, die nur mit Zahlen aus Berlin begründet wird, ist eine Hoffnung und keine Rechnung.
0368/2025 BV: Stuttgarter Sportförderung: Die Finals 2027 in Stuttgart, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 7. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.