Stuttgart zahlt die Miete für die eigene Halle
Stuttgart gibt dem Handballbund 1,08 Millionen Euro für die Miete der stadteigenen Arena, gut 60 Euro je Sitzplatz bei drei WM-Spieltagen
Was ist passiert?
Die Porsche-Arena ist eine Veranstaltungshalle in Stuttgart mit Platz für rund 6.000 Zuschauer. Ende 2019 bewarb sich die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart im Namen der Landeshauptstadt darum, dort Spiele der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen 2025 auszutragen. Im Februar 2020 erhielten der Deutsche Handballbund (DHB) und der niederländische Verband den Zuschlag. Stuttgart sollte drei Vorrundenspieltage mit der deutschen Mannschaft ausrichten, am 26., 28. und 30. November 2025.
Im Februar 2025 bewilligte der Verwaltungsausschuss dem DHB einen Festbetragszuschuss von 1.083.000 Euro. Wohin das Geld geht, steht gleich im Beschluss: Der Verband mietet für exakt diesen Bruttobetrag die Porsche-Arena bei in.Stuttgart an und bekommt von dort obendrein Personal für Organisation und Durchführung. Das Geld wandert also von der Stadtkasse über den Verband zurück zur Veranstaltungsgesellschaft der Stadt. Laut Vorlage soll der Zuschuss nur der „teilweisen Deckung“ der Kosten dienen. Tatsächlich entspricht er der Miete auf den Euro.
Billig wird das Arrangement dadurch nicht. Auf drei Spieltage verteilt kostet jeder Spieltag die Stadt rund 361.000 Euro (1.083.000 Euro geteilt durch 3). Bei 6.000 Plätzen täglich, zusammen also 18.000 Plätzen, sind das gut 60 Euro Steuergeld je Sitzplatz, bevor die erste Karte verkauft ist. Die Eintrittskarten vermarktet der DHB, der nach eigener Darstellung mit knapp 760.000 Mitgliedern der größte Handballverband der Welt ist.
Als Beleg für den Wert der Veranstaltung führt die Verwaltung Zuschauerrekorde an, die mit Stuttgart nichts zu tun haben: die Männer-EM 2024 und ein olympisches Viertelfinale in Paris. Das Konzept für Aktionen mit Schulen und Vereinen, das den Nutzen über die WM hinaus sichern soll, entwickelte der DHB zum Zeitpunkt des Beschlusses noch.
Obwohl die Bewerbung seit 2019 lief, stand das Geld nicht im Haushalt. Es kam als außerplanmäßiger Mehraufwand aus der Deckungsreserve.
Kritik
Wer einem großen Sportverband die Hallenmiete vollständig bezahlt, betreibt keine Sportförderung, sondern einen Mietverzicht mit Umweg über die Buchhaltung. Gut 60 Euro Steuergeld je Platz für drei Vorrundenabende sind ein hoher Preis dafür, dass sich Stuttgart als sportbegeisterte Stadt präsentieren darf. Der DHB vermarktet die Spiele und hätte an den Kosten der Halle angemessen beteiligt werden müssen. Und eine Bewerbung, die seit 2019 bekannt ist, gehört in den regulären Haushalt und nicht in die Reserve für Unvorhergesehenes.
0606/2024 BV: Stuttgarter Sportförderung; hier: Zuschuss zur Durchführung der IHF Handball Weltmeisterschaft 2025 der Frauen, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 5. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.