Stuttgart zahlt jedes Minus eines Museumsvereins
Für ein Museum am Killesberg zahlt Stuttgart 2027 rund 952.000 Euro und rechnet dort mit 175.000 statt bisher 30.000 Gästen
Was ist passiert?
Auf dem Killesberg liegt die Weissenhofsiedlung, 1927 als Ausstellung des Deutschen Werkbunds errichtet und bis heute bewohnt. Einziges öffentlich zugängliches Haus ist das Doppelhaus von Le Corbusier. Darin betreibt der Verein der Freunde der Weissenhofsiedlung seit 2006 ein Museum. Zum 100. Jubiläum und zur Internationalen Bauausstellung 2027 baut die Stadt nebenan ein Besucherzentrum, das Weissenhof.Forum. Es soll das enge Museum entlasten, dessen Eingangsbereich gerade einmal 20 Quadratmeter misst.
Betreiben soll das neue Haus der Verein, laut Beschlussantrag „im eigenen Namen und für eigene Rechnung“. Die Rechnung begleicht allerdings die Stadt. Sie überlässt das Gebäude mietfrei, trägt die Warmmiete von 347.167 Euro im Jahr und gleicht das komplette Defizit des Vereins aus: 505.000 Euro im Jahr 2026, 605.000 Euro im Jahr 2027. Für das Jubiläumsjahr summiert sich das auf 952.167 Euro.
Damit es bei diesem Fehlbetrag bleibt, muss eine kühne Kalkulation aufgehen. Heute kommen 25.000 bis 30.000 Menschen im Jahr ins Museum. Für 2027 setzt die Vorlage 175.000 Besuchende an. Die Eintrittserlöse des Museums sollen von 107.000 auf 625.000 Euro steigen. Selbst wenn alle den vollen Preis von 6,50 Euro zahlten, wären dafür rund 96.000 Tickets nötig (625.000 Euro geteilt durch 6,50 Euro). Und das in einem Haus, in dem sich höchstens 50 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen. Der bisherige Rekord aus dem Bauhausjahr 2019 lag bei 38.513 Gästen.
Verlässlicher als die Einnahmen sind die Ausgaben. Der Personalaufwand des Vereins soll von 538.000 auf 1.156.000 Euro steigen, also mehr als doppelt so hoch ausfallen. Darin enthalten sind drei neue Stellen für Museumspädagogik, Technik und Buchhaltung, die mit dem Ende der Bauausstellung nicht verschwinden. Zugleich sieht der Wirtschaftsplan vor, 106.000 Euro (2026) und 59.700 Euro (2027) in die Vereinsrücklagen einzustellen, während die Stadt das Minus ausgleicht.
Kritik
Ein Besucherzentrum für ein Jubiläum zu bauen, ist das eine, den Dauerbetrieb auf die Zahlen eines Ausnahmejahres zuzuschneiden, etwas ganz anderes. Wer einem Verein jedes Defizit abnimmt, nimmt ihm auch jeden Anreiz, vorsichtig zu kalkulieren. Die Stadt hätte einen festen, gedeckelten Zuschuss vereinbaren und neue Dauerstellen erst bei tatsächlich erreichten Besucherzahlen bewilligen sollen. Dass gleichzeitig Steuergeld in die Rücklagen des Vereins fließt, macht die Sache nicht besser.
1251/2025 BV: Künftige Trägerschaft und Betrieb des Weissenhof.Forums, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 28. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.