Stuttgarter Bauland liegt seit 2018 leer
Stuttgart plante am Killesberg 88 Wohnungen und 13 Mio. Euro Verkaufserlös, seit 2018 tut sich nichts, ein neuer Anlauf kostet 300.000 Euro
Was ist passiert?
Auf dem Killesberg in Stuttgart-Nord, in Nachbarschaft zur Weißenhofsiedlung, lag früher ein Messeparkplatz. Dort soll das Quartier Rote Wand entstehen, ein klimaneutrales Wohnviertel mit geförderten Wohnungen, Baugemeinschaften und einer Kita. Herzstück ist das 6.692 Quadratmeter große Baufeld 1. Ein einzelner Käufer sollte dort rund 88 Wohnungen und eine Kita mit drei Gruppen bauen. Als sogenannter Ankerinvestor sollte er zugleich die Tiefgarage, die Höfe und die Erschließung für das ganze Areal herstellen. Die Stadt rechnete mit einem Grundstückserlös von rund 13 Mio. Euro.
Im Juli 2018 wurde das Baufeld ausgeschrieben. Es meldete sich genau eine Bietergemeinschaft, und die bekam den Zuschlag. Ihre Kaufoption galt bis Ende 2019, der Baubeginn war für Frühjahr 2020 vorgesehen. Unterschrieben wurde nie. Zuerst zogen sich die Baugenehmigungsverfahren bis zu zwei Jahre hin, was laut Stadt allein am Antragsteller lag. Nach erteilter Genehmigung verlangte der Bieter dann mehr städtisches Geld, weil sich das Projekt sonst nicht rechne. Die Stadt verhandelte über das Ende der Option hinaus weiter. Dass diese längst erloschen war, teilte sie dem Bieter erst im März 2026 schriftlich mit, mehr als sechs Jahre nach deren Ablauf.
Die Folgen spüren auch die Nachbarn. Zwei Baugemeinschaften auf dem Baufeld 2 haben ihre Häuser längst gebaut und bezogen. Weil die gemeinsame Tiefgarage fehlt, mussten sie Zuwege, Leitungen, Stellplätze und Feuerwehrflächen provisorisch auf dem leeren Nachbargrund anlegen. Diese Provisorien müssen später erst in die noch zu bauende Tiefgarage überführt werden, bevor auf den übrigen Parzellen gebaut werden darf.
Nun soll der Gemeinderat das alte Verfahren aufheben und die Verwaltung mit einem neuen Entwicklungs- und Vermarktungskonzept beauftragen. Das soll voraussichtlich 300.000 Euro kosten. Begründet wird dies mit den veränderten Gegebenheiten vor Ort und am Markt. Umgelegt auf die 88 geplanten Wohnungen sind das rund 3.400 Euro je Wohnung (300.000 Euro geteilt durch 88). Ausgegeben wird das Geld dafür, wieder dort anzufangen, wo man 2018 schon einmal stand.
Kritik
Wer ein ganzes Quartier an einen einzigen Investor hängt und dann nur ein Angebot erhält, hätte besonders wachsam sein müssen. Spätestens als der Bieter nach der Baugenehmigung mehr Fördergeld forderte, hätte die Stadt die Verhandlungen beenden und neu ausschreiben müssen, statt das Baufeld über Jahre blockieren zu lassen. So liegt ein Grundstück, für das 13 Mio. Euro Erlös eingeplant waren, seit 2018 unbebaut. Für den zweiten Anlauf sollen die Steuerzahler nun noch einmal 300.000 Euro aufbringen.
0539/2026 BV: Aufhebung des Ausschreibungsverfahrens und des Vergabe-/Verkaufsbeschlusses für das Baufeld 1 des Areals Rote Wand auf dem Killesberg, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 3. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.