Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Kostensteigerung

Stuttgarter Brücke auf Zeit kostet 5,3 Millionen

Stuttgart baut für 5,3 statt 2,12 Mio. Euro eine Fußgängerbrücke über den Neckar, die schon 2029 wieder abgebaut wird

Was ist passiert?

Im Stadtbezirk Bad Cannstatt verbanden zwei Brücken die Neckarvorstadt mit der Altstadt. Die Rosensteinbrücke ist seit Sommer 2024 abgerissen. Die benachbarte Wilhelmsbrücke ist in sehr schlechtem Zustand und soll in den kommenden Jahren durch einen Neubau ersetzt werden. Damit Fußgänger und Radfahrer in dieser Zeit nicht abgeschnitten sind, will die Stadt eine Behelfsbrücke dort errichten, wo früher die Rosensteinbrücke stand. Sie soll auf deren alten Widerlagern ruhen und nebenbei Telekommunikationsleitungen über den Fluss führen.

2023 bewilligte der Gemeinderat dafür 2,12 Mio. Euro. Die Ausschreibung brachte im Dezember 2024 kein Angebot, das die Termine einhalten konnte. Sie wurde aufgehoben, nun soll freihändig vergeben werden. Zugleich zeigte der Blick auf den Markt, dass das Geld bei Weitem nicht reicht. Im März 2025 setzte der Gemeinderat die Kosten auf 5,3 Mio. Euro fest. Das ist ein Plus von 3,18 Mio. Euro oder 150 Prozent.

Als Gründe nennt die Verwaltung die Spannweite von 70 Metern ohne Stütze, für die es nur wenige Anbieter gebe. Hinzu kämen die Auflagen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts, etwa dass die Brücke einem Schiffsanprall standhalten muss. Das klingt nach unvorhersehbaren Hürden, ist es aber nicht. Dass die Brücke einen schiffbaren Fluss überquert und zwischen den alten Widerlagern frei spannen muss, stand schon fest, als die 2,12 Mio. Euro beschlossen wurden.

Auf die 70 Meter umgelegt kostet jeder Meter Behelfsbrücke nun rund 75.700 Euro (5,3 Mio. Euro geteilt durch 70). Dabei ist das Bauwerk von vornherein auf Abschied angelegt. Freigegeben werden soll es im Herbst 2025, voraussichtlich 2029 wird es mit dem Neubau der Rosensteinbrücke wieder demontiert. Bei drei bis vier Jahren Standzeit schlägt jedes Jahr mit deutlich mehr als einer Million Euro zu Buche. Bis zu 5 Mio. Euro an Planungs- und Bauleistungen darf die Verwaltung jetzt vergeben, ohne den Gemeinderat erneut zu fragen.

Kritik

Eine Brücke über den Neckar muss Schiffen standhalten und eine große Spannweite haben. Das hätte schon im Kostenanschlag von 2023 stehen müssen und nicht erst nach einer gescheiterten Ausschreibung. So hat der Gemeinderat über eine Zahl entschieden, die nie halten konnte, und zahlt nun das Zweieinhalbfache für ein Bauwerk, das nach wenigen Jahren wieder verschwinden soll. Gerade bei einem Provisorium muss jeder Euro gut begründet sein, und die Verwaltung sollte klären, ob sich die Brücke nach 2029 weiterverwenden oder verkaufen lässt.

0064/2025 BV: Behelfsbrücke Wilhelmsbrücke in Achse der ehemaligen Rosensteinbrücke - Neufestsetzung der Gesamtkosten - Vergabeermächtigung, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 11. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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