Stuttgarter Filmhaus ohne Plan für den Betrieb
Stuttgart baut für 115 Mio. Euro ein Haus für Film und Medien, das jedes Jahr rund 9,4 Mio. Euro Verlust bringen dürfte
Was ist passiert?
Am Leonhardsplatz in der Stuttgarter Innenstadt stand bis vor Kurzem das alte Breuninger-Parkhaus. Heute liegt dort eine neun Meter tiefe Baugrube, aus der bis Frühjahr 2029 das Haus für Film und Medien wachsen soll. Geplant sind zwei Kinosäle mit 288 und 103 Plätzen, Studios, Ausstellungsflächen und eine leuchtende Medienfassade. Die Verwaltung spricht von einem bundesweit einzigartigen Leuchtturmprojekt.
Die Gesamtkosten nennt die Vorlage zum Baubeschluss vom Januar 2026 mit 115 Mio. Euro, genauso viel wie beim Projektbeschluss 2024. Das klingt nach einer Punktlandung. Es ist aber keine. Seither sind bereits 9,08 Mio. Euro Mehrkosten angefallen, unter anderem für Baustellenlogistik, Auflagen und Hindernisse im Baugrund. Bezahlt werden sie aus einer allgemeinen Pauschale der Stadt für Baupreissteigerungen. Für künftige Risiken sind dort weitere 17,32 Mio. Euro vorgemerkt. Echte Ausschreibungsergebnisse lagen erst für rund 42 Prozent der Gewerke vor.
Noch weniger weiß man über den Betrieb. Wer das Haus tragen soll, ist offen, ein Betriebskonzept soll erst bis Sommer 2026 vorliegen. Das eigene Finanzreferat der Stadt rechnet trotzdem schon mit einem „hochdefizitären Betrieb“ und mit Folgelasten von rund 9,4 Mio. Euro, die Jahr für Jahr zusätzlich erwirtschaftet werden müssten. In der Finanzplanung stehen sie nicht. Das sind umgerechnet gut 25.700 Euro an jedem Tag des Jahres (9,4 Mio. Euro geteilt durch 365) und mehr als die 8,95 Mio. Euro, um die der Kulturhaushalt 2026/2027 konsolidiert wurde.
Die Verwaltung hält dagegen, ein Stopp würde rund 11 Mio. Euro bereits ausgegebenes Geld vernichten und eine offene Baugrube hinterlassen. Der Vergleich fällt allerdings anders aus, als sie meint: 11 Mio. Euro entsprechen den erwarteten Folgelasten von nur etwa 14 Monaten (11 geteilt durch 9,4 Mio. Euro pro Jahr). Den Rohbau will die Verwaltung gleich nach dem Beschluss vergeben.
Kritik
Wer 115 Mio. Euro verbaut, muss vorher wissen, wer das Haus betreibt und was der Betrieb jährlich kostet. Hier soll der Baubeschluss fallen, bevor Trägerschaft und Betriebskonzept stehen, obwohl das eigene Finanzreferat vor einem dauerhaften Millionendefizit warnt. Das Argument mit den 11 Mio. Euro verlorenen Kosten überzeugt nicht, wenn ein einziges Betriebsjahr fast ebenso viel verschlingt. Die Stadt hätte den Beschluss bis zum Betriebskonzept zurückstellen und die freiwillige Aufgabe ehrlich auf den Prüfstand stellen müssen.
0917/2025 BV: Neubau Haus für Film und Medien Stuttgart (HFM) - Baubeschluss -, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.