Stuttgarter Krankenhaus wird 530 Millionen teurer
Stuttgart baut sein Innenstadt-Krankenhaus für 1,28 Milliarden statt 753 Millionen Euro neu, fast 500 Millionen vom Land sind nicht zugesagt
Was ist passiert?
Das Katharinenhospital in der Stuttgarter Innenstadt gehört zum städtischen Klinikum. Seit Jahren wird es Stück für Stück durch Neubauten ersetzt, während nebenan der Krankenhausbetrieb weiterläuft. Die ersten beiden Häuser F und G sind fertig und blieben mit 174,70 und 94,29 Mio. Euro im Budget. Dann kam Haus ABE.
Als der Gemeinderat 2018 den Grundsatzbeschluss fasste, sollte der gesamte Neubau 753,35 Mio. Euro kosten und 2028 fertig sein. Kalkuliert wurde mit 2 Prozent Baupreissteigerung im Jahr. Nach Zahlen des Statistischen Landesamts waren es knapp 6 Prozent. 2020 lag der Rahmen bei 810,53 Mio. Euro, nun soll er auf 1.283,14 Mio. Euro steigen. Gegenüber 2018 sind das rund 70 Prozent mehr (1.283,14 geteilt durch 753,35).
Allein für Haus ABE haben sich die erwarteten Kosten von 442,71 auf 892,51 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Neben den Baupreisen kommen 171,86 Mio. Euro für neue Inhalte hinzu. Das Klinikum hatte inzwischen die Sportklinik, das Krankenhaus vom Roten Kreuz und die Sana Herzchirurgie übernommen und stellte fest, dass die geplanten OP-Säle nicht reichen. Haus A bekommt deshalb ein zusätzliches Stockwerk, und der über 70 Jahre alte Tunnel Jägerstraße soll einem Verbindungsbau weichen. Fertig werden soll alles im dritten Quartal 2033. Auch dieser Termin ist nicht sicher, weitere zeitliche Risiken werden laut Vorlage noch geprüft.
Bezahlen soll die Stadt. Ihr Anteil steigt von 264,09 auf 460,83 Mio. Euro, denn der Eigenanteil des Klinikums ist vertraglich auf 156 Mio. Euro gedeckelt. Selbst diese Rechnung steht auf wackligem Grund. Sie setzt 652,91 Mio. Euro Förderung durch das Land voraus. Vereinbart sind bislang 154,8 Mio. Euro (21,95 plus 80,00 plus 52,85). Für Haus ABE wurde noch kein Förderantrag gestellt, das soll erst bei hoher Kostensicherheit geschehen. Offen sind damit fast 500 Mio. Euro (652,91 minus 154,8). Fällt die Förderung geringer aus, trägt laut Vertrag die Stadt den Rest. Der Gemeinderat sollte am 23. Oktober 2025 über die Erhöhung entscheiden.
Kritik
Ein Neubau, der gegenüber dem Grundsatzbeschluss um rund 70 Prozent teurer wird, verdient mehr als eine Kenntnisnahme. Der Bedarf an zusätzlichen OP-Sälen hätte vor der Entwurfsplanung geklärt werden müssen, statt ein geplantes Haus nachträglich aufzustocken. Vor allem darf die Stadt kein Budget beschließen, dessen größter Posten eine Landesförderung ist, die für Haus ABE noch niemand beantragt hat. Jeder Euro, den das Land am Ende nicht gibt, landet im städtischen Haushalt.
1208/2025 BV: Klinikum Stuttgart gKAöR, Realisierung des Neubaus „Haus ABE“ des Katharinenhospitals und Fortschreibung des Finanzierungskonzepts, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 23. Oktober 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.