Stuttgarter Müllabfuhr baut Standort doppelt so teuer
Der neue Standort für Müllwagen und Personal in der Stuttgarter Leobener Straße kostet 19,4 statt 9,7 Mio. Euro, eine Begründung fehlt
Was ist passiert?
Die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) ist ein Eigenbetrieb der Landeshauptstadt. Sie leert rund 287.000 Müllbehälter, kehrt die Straßen, räumt im Winter und betreibt Wertstoffhöfe sowie 73 öffentliche Toiletten. Seit Jahren baut sie ihre Betriebsstellen nach einer Neukonzeption um. In Wangen und Bad Cannstatt sind zwei neue Standorte inzwischen weitgehend fertig.
Im Wirtschaftsplan für 2026 und 2027, über den der Gemeinderat am 19.12.2025 entscheiden sollte, steht auf Seite neun eine unscheinbare Tabelle. Sie stellt die Plankosten des alten Wirtschaftsplans den neuen gegenüber. Für die Betriebsstelle Leobener Straße waren 2024/2025 noch 9,7 Mio. Euro angesetzt. Jetzt sind es 19,4 Mio. Euro, also exakt das Doppelte. Statt 2026 soll der Bau erst 2029 fertig sein.
Allein steht das Projekt nicht. Die Betriebsstelle am Bruno-Jacoby-Weg verteuert sich von 20,4 auf 29,9 Mio. Euro und rutscht von 2027 auf 2030. Beim Vorhaben HB4/Bau 9 klettern die Kosten von 27,3 auf 36,0 Mio. Euro, der Termin wandert von 2027 auf 2032. Zusammen kosten diese drei Bauten nun 85,3 statt 57,4 Mio. Euro, ein Plus von 27,9 Mio. Euro.
Und die Erklärung? Ein einziger Satz: Es komme „aus unterschiedlichen Gründen“ zu Verzögerungen und steigenden Kosten. Einen konkreten Anlass nennt die Vorlage nur für Bad Cannstatt, dort war es ein Wasserschaden. Für die Verdopplung in der Leobener Straße findet sich kein Wort.
Bezahlt wird mit Krediten. Ab 2026 sollen sämtliche Investitionen der AWS am Kapitalmarkt finanziert werden, für Bauten kalkuliert der Betrieb mit 3,8 Prozent Zinsen. Allein die Mehrkosten der Leobener Straße schlagen damit rechnerisch mit rund 370.000 Euro Zinsen pro Jahr zu Buche (9,7 Mio. Euro mal 3,8 Prozent). Laut AWS fließen solche Finanzierungskosten in Gebühren und Leistungsentgelte ein. Die Abfallgebühren sollen 2026 um rund 4,1 Prozent und 2027 um weitere 4,5 Prozent steigen, nach Angaben des Betriebs überwiegend wegen der allgemeinen Preisentwicklung.
Kritik
Wenn sich die Kosten eines Bauvorhabens verdoppeln, ist das keine Randnotiz für eine Tabelle im Wirtschaftsplan. Der Betrieb hätte dem Gemeinderat in einer eigenen Vorlage erklären müssen, woher die zusätzlichen 9,7 Mio. Euro kommen und ob es Abstriche oder günstigere Lösungen gibt. Stattdessen wurden die neuen Zahlen einfach übernommen und sollen auf Pump finanziert werden. Am Ende zahlen das die Stuttgarter über Gebühren und den städtischen Haushalt.
1128/2025 BV: Wirtschaftsplan 2026/2027 des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 19. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.