Stuttgarter Schulcampus wird 40 Millionen teurer
Stuttgart rechnet für den Schulausbau in Stammheim mit 123 statt 83 Millionen Euro, weil es zwei Jahre um einen Altbau herum plante, der nun weg soll
Was ist passiert?
Am Ortsrand von Stammheim teilen sich eine Grundschule und die Park-Realschule ein Gelände. Im Schuljahr 2024/25 lernten dort 455 und 408 Kinder. Weil im Stadtteil viele Wohnungen entstehen, soll der Standort wachsen. 2019 gewann ein Architektenentwurf, der dafür einen kleinen Pavillon von 1989 mit vier Klassenzimmern abreißen wollte.
Daraus wurde nichts. Im Juli 2020 erklärte das Landesamt für Denkmalpflege den sogenannten Hübner-Bau überraschend zum Kulturdenkmal. Die Stadt plante 2022 neu, diesmal mit Erhalt des Hauptbaus aus den 1950er Jahren. Gut zwei Jahre arbeitete man an dieser Lösung. Am Ende zählte die Verwaltung selbst die Mängel auf: Neubauten zwischen Bestandsgebäuden „eingeklemmt“, kein klarer Eingang. Für einen Durchgang im Erdgeschoss hätten Obergeschosse abgefangen und Fundamente verstärkt werden müssen, ohne pädagogischen Mehrwert.
Nun soll der Hauptbau doch vollständig verschwinden. An seine Stelle soll ein dreigeschossiger Gemeinschaftsbau treten. Die Verwaltung nennt diesen Wechsel „terminneutral“. Fertig sein soll der Campus allerdings erst im dritten Quartal 2036, rund 11,5 Jahre nach dem Vorprojektbeschluss.
Gewachsen sind vor allem die Kosten. 2022 rechnete die Stadt mit 82,9 Mio. Euro, in der Vorlage vom März 2025 mit 123,1 Mio. Euro. Das sind 40,2 Mio. Euro oder fast die Hälfte mehr. Den größten Teil schiebt die Verwaltung auf die Baupreise: 14,9 Mio. Euro gehen auf den Preisindex zurück. Der Puffer für künftige Preissteigerungen und Risiken stieg von 11,3 auf 26,4 Mio. Euro, weil statt 3 nun 5 Prozent pro Jahr angesetzt sind. Weitere 6,3 Mio. Euro entfallen auf „Anpassung akt. Standards und Konkretisierung der Planung“, 3,9 Mio. Euro auf den neuen Gemeinschaftsbau. Für die lange Bauzeit kommen Container für 7,0 Mio. Euro hinzu. Auf jedes der heutigen 863 Kinder entfallen damit gut 142.000 Euro (123,1 Mio. Euro geteilt durch 863).
Kritik
Wer zwei Jahre an einer Variante plant und dann genau das Gebäude abreißen will, um das herum geplant wurde, hat am Anfang nicht gründlich genug geprüft. Ob ein Hauptbau aus den 1950er Jahren in einen erweiterten Campus passt, hätte die Stadt schon 2022 klären müssen und nicht erst 2024. Jedes Jahr Verzögerung kostet bei angesetzten 5 Prozent Preissteigerung viel Geld, und die Kinder lernen bis 2036 neben einer Baustelle. Jetzt muss der Zeitplan halten, und die Mehrkosten für Standards und Planungsänderungen müssen eng begrenzt werden.
0133/2025 BV: Schulstandort Stammheim - Ergänzung zum Vorprojektbeschluss GRDrs 532/2022 -, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 11. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.