Stuttgarter Straßentunnel fast 2,5-mal so teuer
Stuttgart saniert Tunnel der B 10 und B 14 für 471,1 statt 193,5 Millionen Euro, weil die alten Röhren vorab nur in Stichproben geprüft wurden
Was ist passiert?
Am Leuzeknoten verschwindet der Verkehr der B 10 und B 14 in Tunnelröhren, über denen die Liegewiese des Mineralbads Leuze liegt. Die Stadt Stuttgart baut den Knoten seit Jahren um. Eine dritte Röhre kam hinzu, die beiden bestehenden sollten bei laufendem Verkehr saniert werden, dazu entstand eine neue Linksabbiegerrampe auf die König-Karls-Brücke.
Die neue Röhre ging im Sommer 2022 in Betrieb. Danach folgte die Sanierung des Bestands, und dort begannen die Überraschungen. Die alten Bauwerke hatte die Stadt in der Planung nur stichprobenartig untersucht. Beim Bau zeigte sich stellenweise schlechtere Substanz, es mussten Leistungen nachgeplant werden, und das Hauptgewerk verzögerte sich um fast zwei Jahre. Im Untergrund fanden sich außerdem Asbest, nicht dokumentierte Leitungen und falsch eingemessene Kanäle.
In der Vorlage vom Februar 2025 nennt die Verwaltung auch Corona, den Krieg in der Ukraine und gestiegene Löhne. Nach ihrer eigenen Darstellung schlugen diese Preise aber gerade wegen des Verzugs voll durch. Ingenieurbüros mussten länger bezahlt werden (rund 4,5 Mio. Euro), fremde Flächen länger in Anspruch genommen werden (rund 4,0 Mio. Euro). Über den sanierten Röhren war teures Leichtbaumaterial nötig, damit weniger Last auf die Tunnel drückt. Der größte Posten, rund 20,7 Mio. Euro, entfällt auf Neubau und Sanierung der Röhren selbst.
Neu ist das Muster nicht. 2012 standen 193,5 Mio. Euro im Beschluss, ohne städtische Eigenleistungen. Seither wuchs die Summe in sieben Schritten auf nun 471,1 Mio. Euro, mit Eigenleistungen auf 495,5 Mio. Euro. Das ist fast das Zweieinhalbfache (471,1 : 193,5 = 2,43) und im Schnitt knapp 40 Mio. Euro je Nachschlag (277,6 Mio. : 7).
Den jüngsten Nachschlag deckt die Stadt zu 33,2 Mio. Euro mit Geld, das für die Direktauffahrt Friedrichswahl an der B 10/B 27 reserviert war. Dieses Projekt liegt vorerst auf Eis, weil der Erhalt der Infrastruktur Vorrang habe. Der Rest soll im Nachtragshaushalt 2025 unterkommen. Der Gemeinderat stimmte im März 2025 unverändert zu.
Kritik
Wer bestehende Tunnel unter laufendem Verkehr sanieren will, muss vor Baubeginn wissen, in welchem Zustand sie sind. Hier hat die Stadt beim Bestand nur Stichproben genommen und das Risiko so auf die Bauphase verschoben, in der jeder Monat Verzug Baufirmen, Ingenieure und Flächen verteuert. Eine gründliche Untersuchung vorab hätte Umplanungen während des Baus und damit einen großen Teil der zwei Jahre Verzug vermeiden können. Dass die Lücke nun mit dem Geld eines gestrichenen Straßenprojekts gestopft wird, macht die Mehrkosten nicht kleiner, sondern nur unauffälliger.
0017/2025 BV: B 10/B 14 Verbindung am Leuze - Stand der Baumaßnahme - Finanzierung - Neufestsetzung der Gesamtkosten, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 18. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.