Teure Ideen für eine Fläche ohne Plan
Stuttgart lässt sich die Suche nach einer Nutzung für ein Bahnhofsgrundstück 1,2 Mio. Euro kosten, obwohl die eigene Finanzverwaltung die Umsetzung für sehr fraglich hält.
Was ist passiert?
Mit dem neuen Durchgangsbahnhof entsteht in Stuttgart das Stadtquartier Rosenstein. Direkt neben dem Bahnhof, gegenüber dem historischen Bonatzbau, liegt das Teilgebiet A3. Die Fläche soll Reisende empfangen und die umliegenden Viertel miteinander verbinden. Was dort einmal stehen soll, ist bislang offen. Laut Verwaltung waren schon zahlreiche Vorschläge im Gespräch, keiner fand breite Zustimmung.
Auf Initiative des Gemeinderats lobte die Stadt deshalb 2024 einen internationalen Ideenwettbewerb aus. Mehr als 400 Ideen aus 25 Ländern gingen ein. Sie reichten von einem Park mit Sprühnebelduschen über ein Zukunftslabor bis zum Erhalt der alten Gleishalle. Eine Jury zeichnete fünf davon aus. Der Kostenrahmen für diesen ersten Schritt lag bei 830.000 Euro. Das sind rechnerisch gut 2.000 Euro je eingereichter Idee (830.000 Euro geteilt durch 400).
Eine Entscheidung brachte der Wettbewerb allerdings nicht. Die Jury empfahl, alle fünf Ideen gleichwertig weiter zu untersuchen. Dafür sollen nun vier Planungsteams in einem Werkstattverfahren mit drei Workshops ein Nutzungskonzept erarbeiten. Sie erhalten ein Honorar und zusätzlich Preisgelder, einen Auftrag bekommt keines der Teams. Die Stadt stellt dafür weitere 370.000 Euro bereit. Für Ideensammlung und Konzept kommen so 1,2 Mio. Euro zusammen, ohne dass auf der Fläche irgendetwas gebaut wird.
Auf das Konzept sollen ein Gemeinderatsbeschluss, eine Machbarkeitsstudie, die Suche nach einem Betreiber und schließlich ein Realisierungswettbewerb folgen. Einen Zeitpunkt für die Umsetzung kann die Verwaltung nach eigener Aussage nicht nennen. Im Abschnitt zu den Finanzen findet sich außerdem ein bemerkenswerter Hinweis. Das städtische Finanzreferat hält eine Finanzierung der neuen Bausteine wegen der Haushaltslage und bevorstehender Großinvestitionen für „sehr fraglich“. Die Ergebnisse stehen deshalb ausdrücklich unter Finanzierungsvorbehalt. Die Stadt bezahlt also ein Konzept, an dessen Verwirklichung das eigene Finanzreferat zweifelt.
Kritik
Wer schon nach dem ersten Wettbewerb nicht weiß, ob er sich das Ergebnis jemals leisten kann, sollte keine zweite Planungsrunde finanzieren. Die Reihenfolge ist verkehrt: Zuerst hätten Finanzierungsrahmen und möglicher Betreiber geklärt werden müssen, erst danach die Suche nach dem passenden Konzept. So entstehen 1,2 Mio. Euro an Ideen und Plänen für ein Vorhaben ohne Zeitplan, ohne Betreiber und ohne gesichertes Geld. Die Warnung des Finanzreferats hätte Anlass sein müssen, das Verfahren zurückzustellen.
0886/2025 BV: Werkstattverfahren Teilgebiet A3 Stuttgart Rosenstein Entwicklung eines Nutzungskonzepts auf Basis des internationalen Ideenwettbewerbs 2024, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 30. September 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.