Teurer Leerlauf auf Stuttgarter Baustelle
Stuttgart baut ein Büro- und Wohnhaus für 10,3 statt knapp 6,5 Mio. Euro, davon 1,3 Mio. Euro für stehende Kräne und doppelte Planung
Was ist passiert?
In der Eberhardstraße 63 in Stuttgart-Mitte baut die Stadt über ihr Liegenschaftsamt ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Auf rund 1.285 Quadratmetern entstehen vier Büroetagen und eine Wohnung. Fertig werden soll das Gebäude laut Vorlage im Juli 2025.
Beim Baubeschluss 2019 kalkulierte die Stadt mit knapp 6,5 Mio. Euro (10,3 Mio. Euro heutige Gesamtkosten minus 3,847 Mio. Euro Mehrkosten seit dem Baubeschluss = 6,453 Mio. Euro). Anfang 2022 waren es bereits 7,863 Mio. Euro, inzwischen sind es 10,3 Mio. Euro. Das entspricht laut Verwaltung einem Plus von 59,62 Prozent.
Für die jüngste Erhöhung um 2,437 Mio. Euro nennt die Verwaltung drei Posten. Die allgemeine Teuerung macht 630.000 Euro aus. Der größte Brocken hat mit der Marktlage wenig zu tun: 1,307 Mio. Euro entfallen auf Stillstand und Doppelarbeit. Kran, Gerüst und Gebäudesicherung blieben länger auf der Baustelle als geplant. Und weil nach dem Baubeschluss der Planer wechselte, mussten Planungsleistungen zusätzlich oder doppelt bezahlt werden. Auf die Fläche umgelegt kostet allein dieser Leerlauf gut 1.000 Euro je Quadratmeter (1.307.000 Euro geteilt durch 1.285 Quadratmeter).
Obendrauf kommen 500.000 Euro, damit auch die drei oberen Büroetagen vollständig ausgebaut werden. Diesem Vollausbau soll der Gemeinderat am 8. Mai 2025 zustimmen.
An Geld mangelt es nicht. Zum Doppelhaushalt 2024/2025 hatte die Stadt vorsorglich weitere 4,707 Mio. Euro für Mehrkosten bereitgestellt, insgesamt standen damit 12,57 Mio. Euro zur Verfügung. Die nicht benötigten 2,27 Mio. Euro führt die Verwaltung nun als eingespart. Gespart wird hier allerdings nur gegenüber einem Puffer, den die Stadt zuvor selbst großzügig bemessen hatte.
Kritik
Baupreise kann eine Stadt nicht steuern, den Ablauf ihrer eigenen Baustelle schon. Mehr als die Hälfte der jüngsten Mehrkosten (1,307 von 2,437 Mio. Euro) fließt in stehende Kräne, Gerüste und doppelte Planung, also in Ausgaben, für die kein einziger zusätzlicher Quadratmeter entsteht. Die Stadt muss prüfen, ob sie diesen Schaden beim ursprünglichen Planer geltend machen kann, und ihre Planungsverträge künftig so gestalten, dass ein Wechsel nicht zulasten der Steuerzahler geht. Wer übrig gebliebene Puffermittel als Einsparung verbucht, beschönigt eine Kostensteigerung von fast 60 Prozent.
0489/2024 BV: Sammelkostenerhöhungsvorlage, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 6. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.