2,5 Millionen für Schützen, die bleiben wollen
Ulm bietet Schützen bis zu 2,5 statt 1,3 Mio. Euro, damit sie ihren Schießstand für die Gartenschau räumen, doch sie wollen bleiben
Was ist passiert?
Ulm richtet 2030 die Landesgartenschau aus. Entlang des Westglacis sollen Straßen schmaler und Parks grüner werden, und die alten Anlagen der Bundesfestung sollen für Besucher erlebbar werden. Im Festungsgraben an der Kienlesbergbastion schießt bislang allerdings die Schützengilde. Damit der Graben für die Gartenschau frei wird, beschloss die Stadt 2023 grundsätzlich, den Umzug der Schützen in eine gemeinsame Schießanlage am Kuhberg zu bezuschussen.
Aus 1,3 Mio. Euro sollen nun bis zu 2,5 Mio. Euro werden. Die Verwaltung legte dem Gemeinderat für März 2025 einen zusätzlichen Zuschuss von 1,2 Mio. Euro vor, bezahlt aus dem Topf der Landesgartenschau. Der Betrag steigt damit um rund 92 Prozent (1,2 Mio. geteilt durch 1,3 Mio. Euro). Die neue Summe soll ausdrücklich als maximale Obergrenze gelten.
Ob die Schützen das ebenso sehen, ist fraglich. Die Gilde möchte eigentlich im Graben bleiben. Für den Fall eines Umzugs verlangt sie eine 100-Meter-Bahn für rund 3,45 Mio. Euro, also knapp eine Million mehr als die neue Obergrenze. Ihre Mitwirkung am neuen Pachtvertrag steht nach Angaben der Stadt seit Dezember 2023 aus. Das Geld soll also einen Umzug erkaufen, den der Empfänger nicht will.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Dieselbe Vorlage kürzt die Baukosten der Daueranlagen der Gartenschau von 114 auf 87 Mio. Euro, weil im städtischen Haushalt Geld fehlt. Skateanlage und Ballspielfeld am Blaubeurer Tor werden auf die Zeit nach 2030 verschoben. Für den Schießstand findet sich dagegen ein Aufschlag in Millionenhöhe.
Kritik
Einen Zuschuss fast zu verdoppeln, bevor der Empfänger dem Umzug überhaupt zugestimmt hat, ist kein Verhandlungsergebnis, sondern ein Vorschuss auf Hoffnung. Wer im selben Atemzug Skateanlage und Ballspielfeld verschiebt, kann einem einzelnen Verein nicht 1,2 Mio. Euro zusätzlich anbieten. Die Stadt hätte zuerst einen unterschriebenen Pachtvertrag verlangen müssen und erst dann über Geld reden dürfen. So steigt vor allem der Preis, den die Gilde für ihr Zögern verlangen kann.
GD 011/25: Landesgartenschau Ulm 2030, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 19. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.