Sieben Jahre Pause für Ulmer Basketballkredit
Ulm will einem Basketballverein Kreditraten von 814.800 Euro für seine Halle bis 2031 aufschieben, obwohl das laut Stadt nichts löst
Was ist passiert?
Basketball gilt in Ulm als Aushängeschild der Sportstadt. Der Verein BBU '01 zählt 3.449 Mitglieder, davon 1.597 Kinder und Jugendliche, hatte aber lange keine eigene Halle. Das änderte sich im September 2023 mit dem Orange Campus, einem Bau für 11,5 Mio. Euro, aufgeteilt in einen gemeinnützigen Vereinsteil und eine GmbH für Profis, Fitnessstudio und Gastronomie. Die Stadt Ulm gab 3 Mio. Euro Zuschuss und ein Darlehen über 2,91 Mio. Euro. Nach einer Sondertilgung stehen noch 2,249 Mio. Euro offen.
Ab Ende 2024 sollte der Verein jährlich 116.400 Euro zurückzahlen. Gezahlt hat er seither keine einzige Rate, im Januar 2025 bat er um Aufschub. Die Prüfung seiner Bücher fiel ernüchternd aus. Der Vereinsteil kam rund 1 Mio. Euro teurer als geplant, Betriebs- und Energiekosten stiegen. In drei Spielzeiten summierten sich die Fehlbeträge auf rund 302.000 Euro (112.000 plus 46.000 plus 145.000 Euro). Dann fiel auf, dass jahrelang keine Nebenkosten abgerechnet worden waren, und zwar rund 300.000 Euro pro Jahr. Ein einziges Jahr unbezahlter Nebenkosten wiegt damit so viel wie die Verluste aus drei Spielzeiten zusammen.
Die Verwaltung spricht nun von einem strukturellen Defizit. Nach den Planungen des Vereins reiche das Geld in den kommenden Jahren nicht für die Tilgung. Trotzdem soll die Rückzahlung bis Ende 2031 ruhen. Das entspricht sieben Raten zu je 116.400 Euro, zusammen 814.800 Euro. Der Aufschub schaffe kurzfristig Luft, löse die Probleme aber nicht, räumt die Verwaltung ein. Was danach geschehen soll, regelt ein Tilgungsplan, den es noch nicht gibt. Läuft das Darlehen wie vereinbart bis 2043, müssten die 2,249 Mio. Euro rechnerisch in rund zwölf Jahren abgetragen werden (2032 bis 2043), also rund 187.000 Euro jährlich (2,249 Mio. Euro geteilt durch 12) statt bisher 116.400 Euro. Immerhin zahlt der Verein die Zinsen vollständig.
Der Stadtverband für Sport hielt den Vorschlag für zu großzügig. Er will nur bis Ende 2027 stunden und verlangt binnen eines Jahres einen Sanierungsplan.
Kritik
Wer selbst feststellt, dass ein Aufschub die Probleme nicht löst, sollte nicht fünf Jahre Ruhe gewähren. Eine Stundung über 814.800 Euro ohne verbindlichen Sanierungsplan verschiebt das Risiko nur in die Zukunft, wenn die Raten noch höher ausfallen. Die Stadt hätte die Stundung kurz halten und an harte Bedingungen knüpfen müssen, wie es der Stadtverband für Sport vorschlägt. Dass Nebenkosten von rund 300.000 Euro im Jahr jahrelang niemandem auffielen, gehört aufgeklärt, bevor weiteres Entgegenkommen beschlossen wird.
GD 252/26: Darlehen des BBU '01 e.V. für den Orange Campus, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 7. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.