Ulmer Vogelkäfig hofft auf Baupannen
Ulm baut drei Aras im Tiergarten einen Käfig für 650.000 Euro und hofft für fehlende 350.000 Euro auf Verzögerungen bei anderen Bauten
Was ist passiert?
Der städtische Tiergarten an der Donau zieht immer mehr Menschen an: 2019 kamen 208.000 Besucher, 2025 waren es 250.000. Im äußeren Besucherbereich steht seit über 25 Jahren eine Voliere für Großpapageien, die Mitarbeitende einst selbst auf einem alten Fundament errichtet hatten. Darin leben derzeit drei Aras. Zwei davon stammen aus schlechter Privathaltung.
Seit ein Sturm 2023 das Dach einbrechen ließ, ist die Voliere nur notdürftig gesichert. Das verzinkte Gitter kann die Vögel vergiften, und der Platz ist knapp: 41 Quadratmeter Grundfläche. Der Ersatz an gleicher Stelle soll 12 mal 6 Meter messen, also 72 Quadratmeter, dazu mindestens fünf Meter Höhe und Gitter aus Edelstahl. Samt Rückbau und einer zusätzlichen Quarantäne-Voliere schätzt die Verwaltung die Kosten auf 650.000 Euro. Bei drei Aras sind das rund 217.000 Euro pro Vogel (650.000 geteilt durch 3). Bei den geplanten vier Tieren sind es immer noch 162.500 Euro. Auf jeden Quadratmeter der neuen Voliere entfallen rechnerisch gut 9.000 Euro (650.000 geteilt durch 72).
Der Förderverein des Tiergartens hat 300.000 Euro zugesagt. Für die übrigen 350.000 Euro hat die Stadt weder im Haushalt 2027 noch in der Finanzplanung bis 2030 Geld angemeldet. Die Verwaltung setzt stattdessen darauf, dass andere Vorhaben 2027 und 2028 ungeplant ins Stocken geraten und so Mittel frei werden. Die Finanzierung beruht also darauf, dass andere Zeitpläne nicht eingehalten werden. Gebaut werden soll trotzdem ab Sommer 2027, passend zum Jubiläumsjahr des Tiergartens, dessen Geschichte einst mit Vogelvolieren begann.
Wie hoch die laufenden Kosten nach der Fertigstellung ausfallen, kann die Verwaltung noch nicht sagen. Für Unvorhergesehenes sind 30.000 Euro eingeplant. Das sind weniger als fünf Prozent der Gesamtsumme.
Kritik
Dass die marode Voliere ersetzt werden muss, ist unstrittig. Wer aber 350.000 Euro ausgeben will, muss sagen können, woher das Geld kommt, statt auf Pannen bei anderen Bauvorhaben zu hoffen. Mittel, die durch Verzögerungen frei werden, gehören zu Projekten, die bereits beschlossen sind, und nicht in einen Neubau, der nie angemeldet wurde. Die Stadt hätte das Vorhaben regulär in die Finanzplanung aufnehmen, die Folgekosten beziffern und Größe und Ausstattung am gesicherten Budget ausrichten müssen.
GD 186/26: Raumprogramm Tiergarten, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 6. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.