Ulm: Feuerwehrhäuser mehr als doppelt so teuer
Ulm rechnet für die Sanierung von zehn Feuerwehrhäusern nun mit 15 bis 18 Millionen Euro statt 6,6 Millionen, fertig sind erst zwei
Was ist passiert?
Ulm (BW). Die Freiwillige Feuerwehr rückt in den Ortsteilen aus Gerätehäusern aus, die vielfach in die Jahre gekommen sind. Spinde stehen in den Fahrzeughallen, Dieselabgase werden nicht abgesaugt, für Frauen fehlen Umkleiden und Duschen. 2017 beschloss der Gemeinderat deshalb, zehn dieser Häuser zu ertüchtigen. Veranschlagt waren rund 6,6 Mio. Euro, fertig sein sollte alles 2025.
Mitte 2026 zog die Verwaltung Bilanz. Vollständig saniert sind zwei Häuser, in zwei weiteren gab es Teilmaßnahmen, sechs sind bis auf kleine Reparaturen im Ursprungszustand. Ausgegeben wurden bereits rund 3 Mio. Euro. Als Gründe nennt die Stadt fehlendes Personal, zu knappe Mittel und geänderte Prioritäten. Die Zahlen von 2017 beruhten zudem nur auf einer groben Überprüfung der Gebäude, Preissteigerungen wurden nie eingerechnet.
Wie grob, zeigt Unterweiler. Das Gerätehaus von 1981 erhielt 2002 ein ausgebautes Dachgeschoss, erreichbar über eine außen angebrachte Stahltreppe. Dass diese Treppe Sicherheitsmängel hat, fiel erst bei der Entwurfsplanung auf; 2017 war sie schlicht nicht berücksichtigt worden. Sie in den Baukörper zu verlegen, bedeutet einen erheblichen Eingriff. Die Kostenberechnung stieg von 927.000 Euro auf rund 3 Mio. Euro, gut das Dreifache. Nach fertiger Entwurfsplanung räumt die Verwaltung ein, die Sanierung ende in einem „teuren Kompromiss“, der sämtliche Nachteile des Altbaus behält. Nun soll ein Ersatzneubau geprüft werden. Im Haushalt ist das Geld dafür nicht abgebildet.
In Wiblingen, 2017 mit 489.000 Euro angesetzt, rechnet die Stadt inzwischen mit 4 bis 5 Mio. Euro. In den alten Plänen fehlte ein Stellplatz für ein Löschfahrzeug, und ein Wasserschaden während der Pandemie wurde erst spät bemerkt.
Für die übrigen Häuser veranschlagt die Verwaltung weitere 5 bis 7 Mio. Euro. Im Finanzplan stehen dafür 665.000 Euro im Jahr. Für die noch offenen 12 bis 15 Mio. Euro (3 plus 4 bis 5 plus 5 bis 7 Mio. Euro) bräuchte die Stadt bei diesem Tempo weitere 18 bis 23 Jahre.
Kritik
Wer ein Bauprogramm auf eine grobe Begehung stützt, beschließt keine Kosten, sondern eine Hoffnung. In Unterweiler hätte vor der aufwendigen Entwurfsplanung geklärt werden müssen, ob sich der Umbau eines Hauses von 1981 überhaupt lohnt; nun droht die Sanierungsplanung in der Schublade zu landen. Zugleich rächt sich das jahrelange Strecken, denn wartende Gebäude verfallen weiter, wie Wiblingen zeigt. Die Stadt sollte das Programm mit belastbaren Zahlen und klaren Prioritäten neu aufsetzen, statt es über zwei Jahrzehnte zu verschleppen.
GD 239/26: Entwicklung der Feuerwehr Ulm mit Schwerpunkt Freiwillige Feuerwehr, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 14. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.