Brücken in Ulm: Preisgarantie geplatzt
Ulm wollte zwei marode Brücken mitten in der Stadt für 208 Millionen Euro ersetzen, nun sollen es 292,9 Millionen werden
Was ist passiert?
Mitten durch Ulm führt die B10, die Bundesstraße zwischen A 8 und A 7. Am historischen Blaubeurer Tor rollen täglich 83.500 Fahrzeuge über die Nord-Süd-Achse. Die beiden Brücken von 1969 sind marode, der westliche Teil der Wallstraßenbrücke darf nur bis Ende 2025 befahren werden. Gebaut werden muss also. Die Brücke über das Tor soll einem Tunnel weichen, die Wallstraßenbrücke über die Bahngleise wird erneuert.
Im November 2022 meldete die Stadt das Vorhaben mit 208 Mio. Euro zur Förderung an. Ein Planungsbüro war damals noch nicht beauftragt, die Zahl stützte sich auf eine erweiterte Machbarkeitsstudie. Für die Umsetzung wählte Ulm als bundesweit erste Kommune bei einem Verkehrsprojekt ein Partnering-Verfahren: Baufirma, Planer und Verwaltung planen gemeinsam in einem Büro mit offenen Türen, begleitet von Coaching und teambildenden Maßnahmen. In Aussicht gestellt wurden Zeitersparnis und hohe Kostensicherheit.
Der Baupartner bot 2024 einen Zielpreis von 199,4 Mio. Euro an, der durch gemeinsames Optimieren erreicht werden sollte, dazu einen garantierten Maximalpreis von 225,9 Mio. Euro. Nach gut einem Jahr Optimierung kam im Oktober 2025 das Endangebot: 245,7 Mio. Euro. Das sind 46,3 Mio. Euro über dem Ziel und rund 20 Mio. Euro über der garantierten Obergrenze. Dabei waren unterwegs sogar gestaltete Pfeiler, Tunnelmünder, Lärmschutz und Geländer zugunsten einer günstigeren Ausführung zurückgestellt worden. Als Gründe nennt die Verwaltung unter anderem Torf und Karst im Baugrund sowie Asbest in der Brückenabdichtung.
Die Gesamtkosten sollen nun auf 292,9 Mio. Euro steigen, gut 40 Prozent über dem Förderantrag (292,9 statt 208 Mio. Euro). Die Verwaltung rechnet vor, wegen der Baupreise hätte das Angebot ohnehin bei rund 248 Mio. Euro gelegen. Für das neue Verfahren war allerdings ein besseres Ergebnis versprochen worden. Ab 2030 fehlen 29,3 Mio. Euro, davon sind 10 Mio. Euro Zuschuss bislang nur eingeplant. Zur Absicherung der Vergabe sollen unter anderem 13,3 Mio. Euro an Verpflichtungsermächtigungen aus der Neugestaltung der Fußgängerzone herangezogen werden.
Kritik
Dass die Brücken ersetzt werden müssen, steht außer Frage, doch die Stadt hat das Projekt auf Basis einer bloßen Machbarkeitsstudie angemeldet, was die Verwaltung inzwischen selbst als Nachteil aufführt. Ein Verfahren, das mit Kostensicherheit beworben wurde, endet mit einem Angebot weit über Ziel- und sogar Maximalpreis. Die Pionierarbeit, über die Ulm auf Fachtagungen referiert, bezahlen die Steuerzahler. Große Vorhaben gehören erst mit belastbarer Planung in den Förderantrag, statt später Lücken mit Mitteln aus anderen Projekten zu stopfen.
GD 346/25: Finale Beauftragung des Baupartners zur Umsetzung der Erneuerung der B10, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 18. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.