Staatsbilanz

Stadt/Ulm/Fehlplanung

Eine Brücke macht zehn Jahre Lagerpause

Ulm zahlt 620.000 Euro, um eine schon 2015 gefertigte Fußgängerbrücke endlich einzubauen, samt neuem Geländer.

Was ist passiert?

Ulm (BW). Beim Alten Fritz führte eine Fußgängerbrücke über den Wallgraben. Im Brückenzustandsbericht 2015 ging es um den Zustand der städtischen Bauwerke und darum, wann sich ein Ersatzneubau lohnt. Für diese Brücke entschied sich die Stadt für einen Neubau. Anfang 2015 wurde der Auftrag vergeben, im Dezember 2015 wurde die alte Brücke abgebrochen. Allein der Abbruch kostete 304.000 Euro.

Erst danach wurde sichtbar, was unter dem alten Bauwerk lag: die Doppelcaponniere der Kienlesbergbastion, ein Teil der früheren Festungsanlage. Der Einbau der neuen Brücke wurde gestoppt. Im Februar 2016 beschloss der Gemeinderat den Rückbau des Weges und eine andere Führung für Rad- und Fußverkehr.

Der neue Überbau war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon gefertigt, Teile von Geländer und Lagern bereits geliefert. Die Stadt lagerte ihn auf eigenen Flächen ein, bis sich eine andere Verwendung finden würde. Es fand sich keine. Die Brücke ist stark gekrümmt und passt deshalb praktisch nur an den Ort, für den sie gebaut wurde.

Nach fast zehn Jahren ist genau dieser Ort wieder gefragt. Für die Landesgartenschau und als Umleitung für Fußgänger und Radfahrer während der Erneuerung der B 10 soll die Brücke bis spätestens Januar 2026 doch über den Wallgraben. Dafür muss der Überbau von den Spuren der langen Lagerung befreit, mit umfangreicher Logistik von der B 10 aus eingehoben und auf ertüchtigte Widerlager gesetzt werden. Fehlende Lagerteile werden neu beschafft. Das 2015 gelieferte Geländer bleibt dagegen ungenutzt. Es ist unvollständig, und passende Teile nachzukaufen sei nach der langen Zeit zu aufwendig. Stattdessen kommt ein neues Seilnetzgeländer im Stil der Landesgartenschau.

Die Fertigstellung soll 620.000 Euro kosten, davon 35.000 Euro städtische Eigenleistung. Zusammen mit dem Abbruch ergibt das 924.000 Euro (304.000 plus 620.000 Euro), und darin ist der Auftrag von 2015 für den Überbau noch gar nicht enthalten. Eine Förderung ist beantragt, ihre Höhe soll erst Anfang 2026 feststehen. Dazu kommen jährliche Folgekosten von 26.860 Euro.

Kritik

Wer eine Brücke über einem Festungsgraben abreißt und den Ersatz schon in Auftrag gegeben hat, sollte vorher wissen, was unter dem alten Bauwerk liegt. In Ulm wurde erst vergeben und abgerissen und dann festgestellt, dass der Neubau so nicht eingebaut werden kann. Dass die maßgefertigte Brücke nach zehn Jahren auf dem Lagerplatz nun doch an ihren Platz kommt, ist besser als eine Verschrottung. Billiger wird der Umweg dadurch nicht: Aufbereitung, neue Lagerteile und ein neues Geländer kommen zu den längst angefallenen Kosten hinzu, und Fußgänger wie Radfahrer mussten ein Jahrzehnt ohne die Verbindung auskommen.

GD 263/25: Ersatzneubau Fußgängerbrücke beim Alten Fritz über den Wallgraben, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 15. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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