Einstein-Museum: Feier teurer als ein Jahr Eintritt
Ulm feierte die Eröffnung seines Einstein-Museums für gut 100.000 Euro, Eintritt und Shop brachten im ganzen Jahr 2025 nur 77.400 Euro
Was ist passiert?
Albert Einstein ist der berühmteste Sohn der Stadt Ulm. Im Mai 2019 beschloss der Gemeinderat einstimmig, ihm und seiner Ulmer Familie ein eigenes Museum zu widmen. Es zog in den „Engländer“ am Weinhof, ein Haus, in dem einst eine Bettfedernfabrik saß, an der Einsteins Vater beteiligt war. Es ist das einzige erhaltene Gebäude der Stadt mit direktem Bezug zur Familie.
Anfang Juli 2024 wurde eröffnet, und zwar nicht im kleinen Rahmen: Rund 60 Nachkommen naher Verwandter Einsteins waren dabei, dazu Gäste aus Ulm, Neu-Ulm und dem ganzen Bundesgebiet. Die Feier kostete gut 100.000 Euro und war laut städtischer Vorlage der größte Einzelposten im Museumshaushalt des Jahres 2024.
Wie viel das ist, zeigt der Alltag danach. Im Jahr 2025, dem ersten vollen Betriebsjahr, kamen knapp 11.000 Besucher. Eintritt und Museumsshop brachten zusammen 77.400 Euro ein. Die Eröffnung hat also knapp ein Drittel mehr gekostet, als das Haus in zwölf Monaten selbst erwirtschaftete. Anders gerechnet: Bei 8 Euro regulärem Eintritt entspricht die Feier 12.500 voll bezahlten Tickets, mehr als das Museum 2025 überhaupt Gäste hatte.
Die Stadt nennt das Ergebnis zufriedenstellend und verweist auf ein Plus von gut 13 Prozent beim Eintritt. Erreicht wurde allerdings nur knapp ein Drittel der Einnahmen, mit denen 2019 kalkuliert worden war. Das Rechnungsprüfungsamt stellte deutlich höhere Personalkosten und erheblich geringere Einnahmen fest. Den Aufwendungen von knapp 540.000 Euro standen 2025 Erträge von 138.700 Euro gegenüber. Unter dem Strich blieb ein Minus von 399.000 Euro, gut 36 Euro je Besucher (399.000 Euro geteilt durch 10.958 Gäste).
Aufschlussreich ist auch, wann am meisten los war: an den vier Tagen mit freiem Eintritt, darunter der erste Geburtstag des Museums. Allein an diesen Tagen kamen gut 1.600 Gäste.
Kritik
Ein Museum, das seine Kosten auf absehbare Zeit nicht annähernd selbst trägt, braucht keinen Auftakt, der mehr kostet als ein ganzes Jahr Kasseneinnahmen. Eine würdige Eröffnung wäre auch mit einem Bruchteil dieser Summe möglich gewesen. Dass das Haus nur ein Drittel der eingeplanten Einnahmen erreicht und jeder Besuch mit rund 36 Euro aus der Stadtkasse gestützt wird, lässt die teure Feier im Rückblick umso unverhältnismäßiger erscheinen. Das Geld wäre im laufenden Betrieb besser angelegt gewesen als in einer einzigen Festveranstaltung.
GD 043/26: Museum "Die Einsteins", Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 27. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.