Erst Geld genehmigt, dann geprüft: Kita geplatzt
Ulm genehmigte 3,5 Mio. Euro für eine Kita in alten Munitionslagern und prüfte erst danach, ob das Denkmal den Umbau erlaubt: nein
Was ist passiert?
Im Ulmer Neubaugebiet Egginger Weg stehen alte Pulvermagazine, baufällig und unter Denkmalschutz. 2021 beschloss die Stadt, in zwei dieser Gebäude eine Kita mit drei Gruppen ein- und anzubauen. Genehmigte Gesamtkosten: 3,5 Mio. Euro, also gut 1,1 Mio. Euro je Gruppe (3,5 Mio. Euro geteilt durch 3). Gebraucht werden die Plätze: In der Weststadt und in Söflingen sind rund 70 Anfragen nach Betreuung offen.
Geprüft, ob die Denkmäler überhaupt Kita werden dürfen, hat das Gebäudemanagement allerdings erst nach dem Beschluss. Das Ergebnis steht in einer Vorlage vom Mai 2025 und fällt knapp aus: Ein Umbau für den Kita-Betrieb ist nicht möglich. Rund vier Jahre nach dem Beschluss stand die Stadt damit wieder am Anfang. Das Projekt am Egginger Weg wird nach Angaben der Verwaltung „derzeit zurückgestellt“.
Als Ersatz soll die UWS im Zuge einer Wohnbebauung „Am Hermannsgarten“ eine Kita mit vier Gruppen und bis zu 70 Plätzen errichten. Die Stadt soll dafür 1,3 Mio. Euro für Möbel, Küche, Sonderstandards und Außengelände beisteuern, dazu 68.000 Euro Ausstattungszuschuss für den Träger. Das Gebäude gehört ihr danach trotzdem nicht: Die Miete ist mit rund 260.000 Euro im Jahr veranschlagt. Den jährlichen Nettobedarf schätzt die Verwaltung auf 810.000 Euro, Abschreibungen und Zinsen sind darin noch nicht enthalten.
Die Verwaltung spricht von einer „relativ schnellen Lösung“. Fertig sein soll die Kita Mitte 2029, rund acht Jahre nach dem ursprünglichen Beschluss. Allein die Miete summiert sich nach zehn Jahren auf 2,6 Mio. Euro (260.000 Euro mal 10). Zusammen mit den 1,3 Mio. Euro für die Ausstattung ergibt das 3,9 Mio. Euro und damit mehr als die 3,5 Mio. Euro, die einst für den eigenen Bau genehmigt waren. Die neue Kita hat immerhin eine Gruppe mehr. Ob am Egginger Weg später doch noch eine Kita entsteht, will die Stadt zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.
Kritik
Wer ein Baudenkmal zur Kita umbauen will, muss vor dem Beschluss klären, ob das Denkmal das zulässt. In Ulm lief es umgekehrt: Zuerst wurden 3,5 Mio. Euro genehmigt, danach wurde geprüft, und am Ende warten Familien Jahre länger auf Betreuungsplätze. Die Ersatzlösung bindet die Stadt dauerhaft an eine Miete von 260.000 Euro im Jahr, für ein Gebäude, das sie für 1,3 Mio. Euro ausstattet, aber nie besitzen wird. Die Prüfung der Machbarkeit gehört an den Anfang eines Projekts, nicht ans Ende.
GD 214/25: Kindertagesstätten in Ulm - Neubau einer Kita "Am Hermannsgarten" mit 4 Gruppen durch die UWS, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 8. Oktober 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.