Ulm: Teure Ausstellung für ein halbes Jahr
Das Museum Ulm baut für 1,58 Millionen statt 980.000 Euro eine Ausstellung auf, die wegen eines Abrisses nebenan nach sechs Monaten schließt
Was ist passiert?
Im Museum Ulm steht eines der bekanntesten Fundstücke der Eiszeit: der Löwenmensch. Für ihn und die übrige Archäologie entsteht im sanierten Ehinger Stadel eine neue Dauerausstellung auf drei Etagen, von der Eiszeitkunst im Erdgeschoss bis zur Stadtarchäologie im zweiten Stock. Der Bund gab 980.000 Euro aus einem Förderprogramm für nationale Kultureinrichtungen dazu. Genau so viel sollte die Ausstellung laut bewilligtem Antrag von 2021 kosten.
Inzwischen sind es rund 1,58 Mio. Euro, gut 600.000 Euro mehr. Das Honorar des Gestaltungsbüros hat sich von 200.000 auf 415.717 Euro mehr als verdoppelt. Bei den digitalen Angeboten wurden Medienguide, Virtual und Augmented Reality gestrichen und durch einfache Medienstationen ersetzt. Billiger wurde die Position dadurch nicht, sondern teurer: 121.784 statt 72.000 Euro. Auf die 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche umgelegt, kostet jeder Quadratmeter nun rund 3.160 statt 1.960 Euro (1.582.200 bzw. 980.000 Euro geteilt durch 500). Als Gründe nennt die Verwaltung Bauverzögerungen, schadhafte historische Bausubstanz und gestiegene Baupreise. Für die Lücke im laufenden Jahr leiht sich das Museum 655.628 Euro beim Projekt Lernort Weiße Rose. Dort muss das Geld ab 2027 neu angemeldet werden.
Noch bemerkenswerter ist der Zeitplan. Kurz vor Weihnachten 2026 ist eine VIP-Eröffnung geplant, in der ersten Januarhälfte 2027 soll die Öffentlichkeit folgen. Viel Zeit bleibt den Besuchern danach nicht: Voraussichtlich schon im Juni 2027 soll die Ausstellung wieder schließen. Dann soll nebenan, ebenfalls verspätet, der Abriss und Neubau des Eingangsgebäudes beginnen. Zum Schutz des Löwenmenschen und der Leihgaben müssen die frisch eingerichteten Räume in wesentlichen Teilen geräumt werden. Eine Erklärung für die Eile liefert der Förderzeitraum. Er wurde bereits um drei Jahre verlängert und endet Ende 2026. Die Mehrausgaben begründet die Stadt ausdrücklich damit, einen Verlust der Fördermittel abzuwenden.
Kritik
Eine Ausstellung für 1,58 Mio. Euro aufzubauen, um sie nach rund einem halben Jahr wieder weitgehend zu räumen, ist schlechte Planung. Ausstellungseinbau und Bauabschnitte hätten so abgestimmt werden müssen, dass der Löwenmensch erst einzieht, wenn nebenan kein Abrissbagger mehr anrückt. Wenn die Förderfrist drängt, hätte die Stadt mit dem Bund über einen späteren Einbau verhandeln müssen, statt Geld aus einem anderen Projekt zu leihen. Fördermittel zu retten rechtfertigt nicht über 600.000 Euro städtisches Geld für eine Ausstellung auf Abruf.
GD 218/26: Museum Ulm: erste Kostenfortschreibung, Neukonzeption Archäologie, Dauerausstellung, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 10. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.