Teure Tribünen für Ulmer Profifußball
Ulm will bis zu 30 Millionen Euro ins Donaustadion stecken, obwohl die Stadt schon 11 Millionen Euro mehr Kredite plant als erlaubt
Was ist passiert?
Das Donaustadion ist über 60 Jahre alt und dient Fußball, Leichtathletik und Schulsport zugleich. Rund 17.400 Zuschauer passen hinein, ein Dach haben nur die rund 4.600 Sitzplätze. Als der SSV Ulm 1846 Fußball im Sommer 2024 direkt aus der 3. in die 2. Liga aufstieg, genügte die Anlage nur mit Provisorien: mobile Toiletten, Kameratürme, zusätzliche Transformatoren und Notstromaggregate.
Die Deutsche Fußball Liga verlangt, dass alle Plätze überdacht sind. Deshalb sollen Nord- und Südtribüne abgerissen und neu gebaut, die Haupttribüne umgebaut werden. Die Kostenschätzung liegt bei 17,2 Mio. Euro netto, davon 4,7 Mio. Euro für Nebenkosten und Unvorhergesehenes. Mehr Zuschauer fasst das Stadion danach nicht, die Zahl der Sitzplätze steigt lediglich um rund 6.400. Jeder zusätzliche Sitzplatz kostet damit rechnerisch rund 2.700 Euro (17,2 Mio. Euro geteilt durch 6.400). Dazu kommt eine Grundsanierung für 6,9 Mio. Euro netto, für die im Haushalt kein Geld vorgesehen ist. Sie soll durch Streichen oder Schieben anderer Vorhaben gedeckt werden. Insgesamt rechnet die Verwaltung mit 25 bis 30 Mio. Euro netto, je nach Vorsteuerabzug zuzüglich bis zu 19 Prozent Umsatzsteuer.
Den Profianteil soll der Klub binnen zehn Jahren refinanzieren, über Namensrechte und eine eigene Beteiligung. Deren Höhe war noch auszuhandeln, überfordern dürfe man den Klub laut Vorlage aber nicht. Wo der städtische Anteil endet und der des Klubs beginnt, ließ sich nach eigener Aussage noch nicht belastbar sagen. Das Defizit des Betriebs, bei jährlichen Aufwendungen von 4 bis 5 Mio. Euro, trägt der städtische Haushalt.
Dabei steht Ulm bereits über dem Limit: Das Regierungspräsidium genehmigt Kredite nur bis 250 Mio. Euro, die Finanzplanung weist für Ende 2028 jedoch 261 Mio. Euro aus. Der Zeitplan der Liga ließ das offenbar zweitrangig erscheinen. Die Umbaupläne gingen mit den Lizenzunterlagen an die DFL, bevor der Gemeinderat darüber beraten hatte. Das Kultusministerium stellte klar, dass es Profifußball nicht fördert. Und langfristig plant der Klub ohnehin eine eigene Arena.
Kritik
Eine Stadt, die ihre Kreditobergrenze bereits überschritten hat, sollte keine Tribünen für den Profifußball anschieben, deren Kostenanteil der Klub erst noch aushandeln will. Wer vom Profisport profitiert, muss sein Risiko verbindlich zusagen, bevor gebaut wird, und nicht irgendwann danach. Dass ausgerechnet ein Verein, der eine eigene Arena plant, ein städtisches Stadion für bis zu 30 Mio. Euro ertüchtigt bekommen soll, macht die Rechnung nicht besser. Die Beteiligung des Klubs hätte vertraglich feststehen müssen, bevor sich die Stadt gegenüber der Liga festlegt.
GD 095/25: Donaustadion, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 19. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.