Teures Licht für die Ulmer Bahnhofsbrücke
1,6 Millionen Euro statt geplanter 1,08 Millionen will Ulm für Licht an der Brücke zu den Gleisen zahlen, weil sich nur eine Firma meldete
Was ist passiert?
Über den Ulmer Bahnhofsteg gelangen Reisende über Treppen und Aufzüge zu den Gleisen. Nachdem ein Brückenzustandsbericht einen erheblichen Sanierungsrückstand im Stadtgebiet beschrieben hatte, beschloss der Bauausschuss 2023 die Ertüchtigung des Stegs. Er soll eine neue Beleuchtung und eine Reinigungsanlage mit Druckluft bekommen. Nach einer ersten Kostenerhöhung im Sommer 2024 waren dafür 1,076 Mio. Euro vorgesehen.
Dann begann die Ausschreibung. Für die Stahl- und Metallbauarbeiten ging ein einziges Angebot ein, und das zu einem sehr hohen Preis. Die Stadt hob das Verfahren auf und fragte bei Firmen nach, warum sie nicht geboten hatten. Deren Antwort: Auf dem schmalen Baufeld würden sich mehrere Gewerke gegenseitig behindern. Also schrieb die Stadt alles in einem Paket neu aus. Im Januar 2025 lag wieder genau ein Angebot vor, wieder deutlich über der eigenen Berechnung.
Dieses Angebot soll nun den Zuschlag bekommen. Die Gesamtkosten sollen um 524.000 Euro auf 1,6 Mio. Euro steigen. Das ist ein Plus von knapp 49 Prozent (524.000 geteilt durch 1.076.000). Am stärksten trifft es den Stahl- und Rohbau am Steg: Statt 220.000 Euro sind dort nun 629.000 Euro angesetzt, fast das Dreifache. Allein die Planung der zweiten Ausschreibung kostet 15.000 Euro.
Die Verwaltung führt eine lange Liste von Gründen an. Gebaut werde 2025 parallel zur Sanierung des Bahnhofsgebäudes, der Steg müsse in Betrieb bleiben, und die Gerüste müssten schmal ausfallen. An Aufzügen und Treppen werde nachts montiert. Die Stahlbaufirmen seien ausgelastet, das zeige schon die geringe Zahl der Angebote. Bei dieser Gelegenheit wurden die Konsolen gleich um zusätzliche Leitungsführungen ergänzt, etwa für eine künftige Bildüberwachung. Das einzige Angebot hält die Verwaltung für marktgerecht.
Hinzu kommen jährliche Folgekosten von gut 79.000 Euro. Über den gesamten Lebenszyklus rechnet die Stadt mit rund 2,8 Mio. Euro.
Kritik
Wer zweimal ausschreibt und beide Male nur einen Bieter findet, hat keinen Wettbewerb erzielt, sondern einen Preis hingenommen. Die Enge auf dem Steg und die parallele Sanierung des Bahnhofsgebäudes kamen nicht überraschend, sie hätten von Anfang an in die Kostenberechnung gehört. Statt das Vorhaben in dieser Lage abzuspecken, hat die Stadt es sogar um Leitungen für eine mögliche Bildüberwachung erweitert. Wer für den Stahlbau fast das Dreifache akzeptiert, sollte zuerst prüfen, was davon wirklich nötig ist.
GD 055/25: Bahnhofsteg, Beleuchtung und Reinigungsanlagen, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 4. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.