Staatsbilanz

Stadt/Ulm/Folgekosten

Toilette am Fernbushalt kostet 72.000 Euro im Jahr

Ulm zahlt für den Betrieb einer neuen Toilette an der Fernbushaltestelle im Stadtteil Böfingen 72.000 Euro im Jahr, bisher knapp 15.000 Euro

Was ist passiert?

Im Ulmer Stadtteil Böfingen, an der Eberhardt-Finckh-Straße, halten die Fernbusse. Durchschnittlich 200 Busse am Tag fahren die städtische Fläche an, die zwischen 2018 und 2021 für rund 350.000 Euro umgebaut wurde. Seit dem Abzug der Deutschen Touring stehen dort zwei Baustellen-WCs. Für Bereitstellung, Unterhalt und Reinigung zahlt die Stadt knapp 15.000 Euro im Jahr. Die Verwaltung selbst nennt dieses Angebot „rudimentär“.

Dabei soll es nicht bleiben. Laut einer Vorlage vom Juni 2025 befand sich ein „weitergehendes WC-Angebot“ in Realisierung, das nach Verzögerungen bei der Erschließung im Sommer fertig werden sollte. Bau, Tiefbau und Dach kosten einmalig rund 75.000 Euro. Teurer wird allerdings der Alltag: Für den laufenden Betrieb veranschlagt die Stadt rund 72.000 Euro jährlich. Die Baustellen-WCs fallen dafür weg, doch diese Ersparnis fällt kaum ins Gewicht.

Umgerechnet kostet die neue Toilette damit rund 197 Euro am Tag (72.000 Euro geteilt durch 365), bisher waren es etwa 41 Euro. Bei 200 Bussen täglich, also rund 73.000 Durchfahrten im Jahr, entfällt auf jeden Bus knapp ein Euro allein für das WC. Schon nach etwa einem Jahr hat der Betrieb so viel verschlungen wie der Bau.

Bezahlen sollen das künftig die Busunternehmen. Ab 1. September 2025 soll jede Durchfahrt 3,57 Euro brutto kosten, erfasst per Kennzeichenerkennung des Dienstleisters APCOA, der 30 Prozent der Entgelte behält. Die Stadt erwartet für sich 150.000 bis 180.000 Euro im Jahr, was ihrem jährlichen Aufwand von 150.000 bis 175.000 Euro in etwa entsprechen soll. Allein WC-Betrieb und die tägliche Müllentsorgung und Reinigung durch die EBU mit 80.000 Euro ergeben zusammen schon 152.000 Euro. Die Verwaltung hält das Entgelt deshalb für angemessen. Man kann es auch so sehen: Die Gebühr wurde passend zu den Kosten gemacht, statt die Kosten passend zum Bedarf.

Kritik

Eine Toilette, deren Betrieb jedes Jahr fast so viel kostet wie ihr Bau, ist kein Fortschritt, sondern ein teurer Dauerposten. Der Sprung von knapp 15.000 auf rund 72.000 Euro im Jahr steht in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem, was an einem Fernbushalt gebraucht wird. Dass die Busunternehmen künftig zahlen sollen, macht die Ausgabe nicht billiger, es verschiebt sie nur auf die Fahrgäste. Die Stadt hätte vor dem Bau einen Betrieb suchen müssen, der mit einem Bruchteil dieser Summe auskommt.

GD 234/25: Bewirtschaftung Fernbushalt Böfingen, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 15. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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