Ulm hofft auf Verzögerungen anderswo
Ulm baut alte Häuser für 8,8 Millionen Euro für Familienkurse um, doch 5,3 Millionen davon fehlen bisher im Haushalt
Was ist passiert?
In der Ulmer Altstadt, am Weinhof, stehen in der Sattlergasse drei zusammenhängende Häuser. Zwei davon gehen auf das Steuerhaus und das Steuermeisterhaus aus dem 15. Jahrhundert zurück, wurden im Krieg schwer zerstört und in den 1950er Jahren wieder aufgebaut. Seit die Bürgerdienste 2016 auszogen, werden die Gebäude nur noch übergangsweise genutzt. Nun soll hier ein „Haus der Familie“ entstehen, in das die Familien-Bildungsstätte und die städtische Abteilung Kindertagesbetreuung gemeinsam einziehen.
Im April 2024 setzte der Gemeinderat dafür eine Obergrenze von 12 Mio. Euro. In einer Konsolidierungsrunde wurde die Vorgabe später auf 8 Mio. Euro gesenkt. Die Architekten entwarfen daraufhin ein betont sparsames Konzept unter dem Motto „preserve, reuse, repair“: Parkett wird geschliffen, Holztüren werden neu lackiert, Leitungen auf Putz verlegt. Auf außenliegenden Sonnenschutz, Innendämmung der Außenwände und besseren Schallschutz wird verzichtet. Herausgekommen sind trotzdem 8,8 Mio. Euro, also 800.000 Euro über der Sparvorgabe. In der Vorlage für den Fachausschuss vom Mai 2026 präsentiert die Verwaltung das als Kostenreduzierung um rund 30 Prozent. Gemessen wird dabei allerdings an den alten 12 Mio. Euro, nicht an der eigenen Sparmarke.
Nicht enthalten sind ein kalkuliertes Risiko für Baupreise und Untergeschoss von 2,2 Mio. Euro sowie die Photovoltaikanlage. Rechnet man das Risiko hinzu, liegt das Projekt bei 11 Mio. Euro und damit fast wieder an der ursprünglichen Obergrenze.
Bemerkenswert ist vor allem die Finanzierung. Ab 2027 braucht das Projekt 7,936 Mio. Euro, in der Finanzplanung stehen aber nur 2,66 Mio. Euro. Die übrigen 5,276 Mio. Euro, rund zwei Drittel, sind nicht gedeckt und auf „2030 ff.“ verschoben. Die Verwaltung baut darauf, dass sich andere Vorhaben verzögern und dadurch Geld frei wird. Fertig sein soll das Haus im Oktober 2030, danach fallen jedes Jahr 491.400 Euro Folgekosten an.
Kritik
Wer sich eine Sparvorgabe von 8 Mio. Euro setzt, muss sie auch einhalten, statt die Überschreitung am höheren Altbetrag schönzurechnen. Ein Bauprojekt zu zwei Dritteln mit der Hoffnung zu finanzieren, dass anderswo Baustellen ins Stocken geraten, ist keine solide Haushaltsplanung. Die Stadt hätte den Umfang so weit begrenzen müssen, dass die Vorgabe samt Risikopuffer hält, oder die Finanzierung offen im Plan abbilden. Sonst steht am Ende doch wieder die 12-Millionen-Marke.
GD 144/26: Umbau und Sanierung eines Verwaltungs- und Seminargebäudes, Sattlergasse 2-6, Ulm, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 19. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.