Staatsbilanz

Stadt/Ulm/Fehlplanung

Ulm kauft erst und prüft dann

Ulms städtische Müllabfuhr kaufte nach kurzem Rundgang ein Firmengelände, nun kostet der Umbau 20 Millionen Euro zusätzlich

Was ist passiert?

Die Entsorgungs-Betriebe der Stadt Ulm (EBU) sind auf mehrere Adressen verteilt, darunter ein Betriebshof an der Bauhoferstraße und Büros samt Service-Center in der Wichernstraße. Die Fläche an der Bauhoferstraße braucht die SWU-Verkehr für zusätzliche und längere Straßenbahnen und für elektrische Busse. Im Dezember 2024 beschloss der Gemeinderat deshalb den Kauf eines Gewerbeareals an der Hohnerstraße im Industriegebiet Donautal. Dort sollte die EBU möglichst an einem einzigen Standort zusammenfinden, gemeinsam mit Feuerwehr und Katastrophenschutz. Im Februar 2025 wurde der Kauf notariell besiegelt.

Wenige Monate später lag die Rechnung für den Umbau vor. Eine umfassende Sanierung, die alle Bedarfe abdeckt, kostet nach überschlägiger Prüfung rund 20 Mio. Euro, zusätzlich zum Kaufpreis. Das übersteige die beim Erwerb angenommenen Kosten erheblich, räumt die Verwaltung ein. Die Erklärung reicht sie gleich nach: Bei der „sehr kurzfristigen Begehung“ vor dem Kauf hätten sich einige technische Erfordernisse nicht erkennen lassen. Etwa ein Drittel des sogenannten Triumphgebäudes ist so marode, dass es abgerissen werden muss.

Die 20 Mio. Euro kann die EBU nicht aufbringen. Also wird gestrichen, bis 13,8 Mio. Euro übrig bleiben. Salzlager, Soleanlage und Werkstatt sollen vorerst an der Bauhoferstraße bleiben, die Gewässerunterhaltung in Söflingen und die Lager an der Kastbrücke ebenso. Vollständig aufgegeben wird nur die Wichernstraße. Unterm Strich verteilt sich die EBU damit auf ebenso viele Adressen wie vorher, nur ist eine davon neu.

Offen ist zudem, was der Boden kostet. Die Fläche ist als Altlastenverdachtsfläche ausgewiesen, erste Untersuchungen sind frühestens ab April möglich.

Zum Vergleich: Für Bauhofer- und Wichernstraße zahlt die EBU zusammen 481.550 Euro Miete im Jahr. Allein die abgespeckten 13,8 Mio. Euro entsprechen knapp 29 solcher Jahresmieten (13,8 Mio. : 481.550 Euro), obwohl ein Teil des Betriebs ohnehin an der Bauhoferstraße bleibt. Bis zum Umzug fallen Miete und Finanzierung außerdem doppelt an.

Kritik

Wer ein Gewerbeareal kauft, um dort einen ganzen Eigenbetrieb unterzubringen, muss vorher wissen, was der Umbau kostet. Eine Kurzbegehung reicht dafür nicht, schon gar nicht auf einer Fläche mit bekanntem Altlastenverdacht. Nun wird ausgerechnet das Ziel zusammengestrichen, für das gekauft wurde, damit die Rechnung bezahlbar bleibt. Eine gründliche Prüfung und eine belastbare Kostenschätzung hätten vor die Unterschrift beim Notar gehört.

GD 365/25: Standortverlagerung der EBU, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 26. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Ulm

  1. 07.10.2026Ulm Sieben Jahre Pause für Ulmer Basketballkredit 814.800 € Ulm will einem Basketballverein Kreditraten von 814.800 Euro für seine Halle bis 2031 aufschieben, obwohl das laut Stadt nichts löst
  2. 06.10.2026Ulm Ulmer Vogelkäfig hofft auf Baupannen 650.000 € Ulm baut drei Aras im Tiergarten einen Käfig für 650.000 Euro und hofft für fehlende 350.000 Euro auf Verzögerungen bei anderen Bauten
  3. 14.07.2026Ulm Ulm: Feuerwehrhäuser mehr als doppelt so teuer 15 bis 18 Mio. € Ulm rechnet für die Sanierung von zehn Feuerwehrhäusern nun mit 15 bis 18 Millionen Euro statt 6,6 Millionen, fertig sind erst zwei

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz