Staatsbilanz

Stadt/Ulm/Folgekosten

Ulm mietet sein eigenes Stadion teuer zurück

Ulm soll für Schul- und Vereinssport im Donaustadion bis zu 3,5 Mio. Euro im Jahr zahlen, mehr als das ganze Stadion bisher kostete (2,4 Mio.)

Was ist passiert?

Im Ulmer Donaustadion spielt die SSV Ulm 1846 Fußball GmbH & Co. KGaA ihre Profispiele, tagsüber trainieren dort Schulklassen und Leichtathleten. Bisher betreibt die Stadt das Stadion selbst. Nun brauchen Fluchtwege und Brandschutz neue Tribünen, und mit dem Umbau soll auch der Betrieb in neue Hände.

Diese Hände gehören der Ulm Messe GmbH, einer hundertprozentigen Stadttochter mit zwölf Mitarbeitenden, die bislang Messen, Wochenmärkte und den Weihnachtsmarkt organisiert. Sie soll 36,5 Mio. Euro investieren: 17,2 Mio. Euro für die Nordtribüne, 16 Mio. Euro für die Südtribüne und 3,3 Mio. Euro für die Sanierung der Haupttribüne. Das Geld soll von Banken kommen, die dafür Sicherheiten verlangen, gegebenenfalls eine Bürgschaft der Stadt. Miettribünen für die Bauzeit und Aufschläge für Unvorhergesehenes an der engen Südtribüne sind in der Summe nicht enthalten. Das Land stellt eine Förderung in Aussicht, eine Zusage gibt es nicht.

Als zentrales Ziel nennt die Verwaltung die Entlastung des städtischen Haushalts. Die Stadionfinanzen sollen dort schlicht nicht mehr auftauchen. Was das kostet, steht in derselben Vorlage: Für die Nutzung durch Schul- und Breitensport soll die Stadt der Messe künftig 3 bis 3,5 Mio. Euro jährlich zahlen, und zwar für die Monate März bis Oktober. Das sind 375.000 bis 437.500 Euro pro Monat (3 bzw. 3,5 Mio. Euro geteilt durch acht). Unter dem Strich rechnet die Stadt mit einer dauerhaften zusätzlichen Belastung von 2,4 bis 2,9 Mio. Euro im Jahr. Der gesamte Zuschuss für das Stadion lag 2024 bei 2,378 Mio. Euro. Auch das Ergebnis der Messe dürfte sich nach eigener Einschätzung verschlechtern.

Der Profiverein beteiligt sich an den Investitionen nicht, das Finanzierungsrisiko bleibt beim Stadtkonzern. Schon bisher deckten die Einnahmen aus dem Spielbetrieb in der 2. Bundesliga nur 80 Prozent der Kosten, in der 3. Bundesliga 50 Prozent. Neue Entgelte sollen erst noch verhandelt werden, ausdrücklich „im Lichte der Belastbarkeit“ der Nutzer.

Kritik

Eine Entlastung, die den städtischen Haushalt jedes Jahr um bis zu 2,9 Mio. Euro zusätzlich belastet, verdient diesen Namen nicht. Hier werden Schulden in eine kleine Messegesellschaft verschoben, für die am Ende womöglich doch die Stadt bürgt, während sie sich die eigene Sportnutzung teurer zurückmietet, als das ganze Stadion bisher gekostet hat. Bevor Kredite über 36,5 Mio. Euro aufgenommen werden, gehört der Profiverein an der Finanzierung beteiligt und die Kostendeckung im Spielbetrieb deutlich angehoben. Sonst trägt der Steuerzahler das Risiko für Tribünen, deren Nutzen vor allem dem Profifußball zugutekommt.

GD 244/25: Donaustadion, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 10. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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