Ulm rettet seine Volkshochschule immer wieder
Ulm gibt der Volkshochschule 1,32 Mio. Euro extra, doch ihr fehlen weiter bis zu 250.000 Euro im Jahr
Was ist passiert?
Ulm (BW). Die Ulmer Volkshochschule ist ein eingetragener Verein mit breitem Programm, von Deutschkursen über das Abendgymnasium bis zur mehrjährigen Yoga-Ausbildung. Den größten Teil der kommunalen Förderung trägt die Stadt: Für 2025 sind 801.600 Euro laufender Zuschuss im Haushalt veranschlagt.
In der Corona-Zeit blieb der Verein nur dank zinsloser Kassenkredite der Stadt zahlungsfähig, insgesamt 920.000 Euro. Zurückgezahlt wurde davon nichts. Im Juli 2024 beschloss die Stadt, die Kredite in einen verlorenen Zuschuss umzuwandeln, weil eine Tilgung das Defizit des Vereins nur vergrößert hätte. Dazu kam ein Sonderzuschuss von 100.000 Euro, ausdrücklich als einmalig gedacht.
Dabei blieb es nicht. Nun soll die Stadt ihren Zuschuss für die Jahre 2025 bis 2027 um jeweils 100.000 Euro erhöhen. Als Grund nennt die Vorlage die Deutschkurse, jahrelang die verlässlichste Einnahmequelle, die mangels Geflüchteter schwächer laufen. Das positive Ergebnis 2024 verdankte der Verein laut Vorlage allein einem Rekordjahr in diesem Bereich. Für 2025 und die Folgejahre rechnet er mit Fehlbeträgen von 200.000 bis 250.000 Euro jährlich. Die Erhöhung deckt also bestenfalls die Hälfte der Lücke. Selbst nach dem vollständigen Erlass der Kredite soll das Vereinskapital Ende 2026 laut Prognose noch bei minus 221.401 Euro liegen.
Zusammengerechnet fließen von 2024 bis 2027 rund 1,32 Mio. Euro zusätzlich aus der Stadtkasse: 920.000 Euro erlassene Kredite plus viermal 100.000 Euro Sonderzuschuss. Im Gegenzug soll die Volkshochschule bis Ende 2027 mindestens 100.000 Euro durch Einsparungen selbst erwirtschaften. Höhere Kursgebühren lehnt die Verwaltung allerdings ab. Außerdem soll der Verein mit dem Alb-Donau-Kreis und den Umlandgemeinden über mehr Geld verhandeln. Nötig wäre das: Ulm zahlt rund 7 Euro je Einwohner, im Kreis sind es 1,50 Euro, also nicht einmal ein Viertel.
Kritik
Wer erst Kredite erlässt und einen einmaligen Zuschuss dann gleich um drei Jahre verlängert, finanziert Verluste, statt ihre Ursache zu beheben. Die Stadt hätte das zusätzliche Geld an einen verbindlichen Sanierungsplan knüpfen müssen, der die gesamte Lücke von bis zu 250.000 Euro im Jahr schließt und nicht nur die Hälfte. Zudem hätte sie mehr Geld erst zusagen sollen, wenn Kreis und Umlandgemeinden, deren Bürger das Angebot ebenso nutzen, ihren Anteil spürbar erhöht haben. So trägt Ulm das finanzielle Risiko des Vereins erneut weitgehend allein.
GD 339/25: 1. Ulmer Volkshochschule e.V. einschließlich, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 12. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.