Ulm will Zuschuss für Halle, die nicht bezahlt ist
Für die 13,3 Mio. Euro teure neue Halle des VfB Ulm fehlen 5,7 Mio. Euro, dennoch will die Stadt dem Bund versichern, das Geld sei da
Was ist passiert?
Am Eselsberg steht eine städtische Mehrzweckhalle. Direkt daneben möchte der VfB Ulm seit Jahren ein eigenes Vereinszentrum errichten: eine Dreifach-Turnhalle, Kursräume und Büros für die Geschäftsstelle. Ein Beschluss kam bislang nicht zustande. Größe und Bauweise änderten sich mehrfach, und die Finanzierung stand nie.
Nun soll ein neuer Fördertopf helfen. Im Herbst 2025 legte der Bund das Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ auf. Es übernimmt bis zu 45 Prozent der Kosten für die Sanierung bestehender Anlagen, Bestandsgebäude sind laut Richtlinie grundsätzlich zu erhalten. Wer bis zum 15. Januar 2026 eine Projektskizze einreicht, muss zugleich die Gesamtfinanzierung bestätigen. Die Verwaltung will den Neubau trotzdem anmelden. Eine Teilnahme solle „in jedem Fall erfolgen“, damit der städtische Zuschuss womöglich kleiner ausfällt.
Die eigene Vorlage liefert allerdings Zahlen, die schlecht dazu passen. Das Zentrum soll rund 13,3 Mio. Euro kosten. Die Stadt müsste mindestens 4,6 Mio. Euro beisteuern, im Haushaltsentwurf stehen aber nur 2,875 Mio. Euro, weniger als die zuvor eingeplanten 3,5 Mio. Euro. Mindestens 1,725 Mio. Euro sind ausdrücklich „nicht finanziert“. Auch seinen Eigenanteil von rund 4 Mio. Euro konnte der Verein nicht klären. Offen sind damit rund 5,7 Mio. Euro (1,725 plus 4,0 Mio. Euro), gut 40 Prozent der Baukosten. Belastbare Zahlen zu Bau, Betrieb und Folgekosten soll der VfB erst 2026 vorlegen, also nach dem Förderantrag.
Auch das zweite Ulmer Vorhaben soll in das Programm. Die Sanierung des Donaustadions ist mit 36,5 Mio. Euro veranschlagt. Das Land hat bis zu 4,6 Mio. Euro in Aussicht gestellt, vom Bund erhofft man sich bis zu 8 Mio. Euro. Mindestens 23,9 Mio. Euro soll die Ulm-Messe GmbH, die den Stadionbetrieb 2026 übernimmt, über Kredite aufbringen. Bleibt das Bundesgeld aus, wären es 31,9 Mio. Euro (36,5 minus 4,6 Mio. Euro).
Kritik
Ein Förderantrag ersetzt keine Finanzierung. Wer gegenüber dem Bund eine gesicherte Gesamtfinanzierung bestätigen will, obwohl im eigenen Haushalt 1,725 Mio. Euro fehlen und der Verein seine 4 Mio. Euro nicht aufbringen kann, plant vom Fördertopf her statt vom Bedarf. Zuerst hätten Größe, Kosten und Folgekosten des Vereinszentrums feststehen müssen, und der Gemeinderat hätte entscheiden müssen, ob die Stadt das Projekt überhaupt bezahlen kann und will. Erst danach ist es sinnvoll, Zuschüsse zu beantragen.
GD 438/25: Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten", Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 10. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.