Ulmer Museum hofft auf stockende Baustellen
Für den 12,9 Millionen Euro teuren Umbau des Museums Ulm fehlen 5,2 Millionen, die Stadt setzt darauf, dass sich andere Bauprojekte verzögern
Was ist passiert?
Das Museum Ulm steht mitten in der Altstadt am Marktplatz. Die Bausubstanz seiner Häuser reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Seit Jahren baut die Stadt das Museum abschnittsweise um. Im dritten Bauabschnitt soll das Gebäude Marktplatz 9a einem Neubau weichen. Darin sollen Eingang und Kasse unterkommen, außerdem zwei Etagen für Sonderausstellungen, ein Veranstaltungsraum und ein Dachgarten. Im Nachbarhaus Marktplatz 9 sollen weitere Ausstellungsflächen entstehen. Aus dem Museum soll so ein offener „Dritter Ort“ werden.
Beschlossen hatte der Ausschuss diesen Abschnitt bereits 2023, damals noch als Sanierung mit Aufstockung des Altbaus. Inzwischen steht fest, dass die Statik das nicht in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen hergibt. Nun ist ein Ersatzneubau geplant, und die Kosten sind auf 12,9 Mio. Euro gestiegen. Das sind 2,52 Mio. Euro oder rund ein Viertel mehr als 2023 (2,522 von 10,378 Mio. Euro). Hinzu kommen 710.000 Euro an städtischen Eigenleistungen. Weitere 550.000 Euro fallen für verlorene Planung und den Erhalt des laufenden Betriebs an, und diese stecken ausdrücklich nicht in der Projektsumme. Eingespart werden beim Bodenbelag und beim Sichtbeton zusammen rund 395.000 Euro. Das fällt neben den Mehrkosten kaum ins Gewicht.
Interessanter als die Architektur ist die Finanzierung. Der Bund gibt 5,8 Mio. Euro dazu. Für 2026 stand im Haushalt kein einziger Euro bereit. Die 700.000 Euro für dieses Jahr leiht sich das Projekt deshalb beim Neubau der Grundschule Eichenplatz und bei der Theaterwerkstatt. Ab 2027 fehlen 5,2 Mio. Euro, also rund 40 Prozent der Baukosten. Woher dieses Geld kommen soll, erklärt die Verwaltung mit bemerkenswerter Offenheit: Sie rechnet damit, dass sich andere Vorhaben unplanmäßig verzögern und dadurch Mittel frei werden.
Ausgerechnet dieses Projekt kann sich eine eigene Verzögerung kaum leisten. Fertig werden soll es im März 2029. Die Schlussabrechnung für die Bundesförderung muss bis November 2029 vorliegen. Zwischen Fertigstellung und Frist bleiben damit acht Monate. Danach rechnet die Stadt mit Folgekosten von knapp 300.000 Euro im Jahr.
Kritik
Eine Finanzierung, die darauf baut, dass andere städtische Projekte ins Stocken geraten, ist keine Finanzierung, sondern eine Wette. Dass sich die geplante Aufstockung erst nach dem Beschluss von 2023 als unwirtschaftlich erwies, hat bereits Planungsgeld gekostet. Wer zudem Geld bei einer Grundschule zwischenparkt und gleichzeitig eine enge Förderfrist im Nacken hat, setzt am Ende 5,8 Mio. Euro Bundesmittel aufs Spiel. Bevor weitergeplant wird, muss eine vollständig gedeckte Finanzierung vorliegen, notfalls für ein kleineres Programm.
GD 145/26: Sanierung und Ersatzneubau des Museums Ulm, Bauabschnitt 3, Marktplatz 9a und 9, Ulm, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 16. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.