Staatsbilanz

Stadt/Ulm/Kostensteigerung

Vereinshaus in Ulm: Millionen fehlen noch

Ulm saniert das Alte Forsthaus für rund fünf Millionen Euro, doch 1,56 Millionen fehlen und sollen aus Verzögerungen anderer Bauten kommen

Was ist passiert?

Am Klosterhof im Ulmer Stadtteil Söflingen, gleich neben der Meinlohschule, steht das Alte Forsthaus. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1690 erbaut und ist seit 1983 Domizil der Söflinger Vereine. Ein Aufzug soll es barrierefrei machen und den Transport von Instrumenten in den großen Saal im Dachgeschoss erleichtern. Dazu kommen Brandschutz und feuchte Wände im Erdgeschoss.

Bei genauerem Hinsehen zeigte sich, worauf das Haus steht: auf einer großen Torfschicht. Tragfähiger Boden beginnt erst in über acht Metern Tiefe. Die Böden der Geschosse weisen bis zu 14 Zentimeter Höhenunterschied auf. Deshalb muss das gesamte Gebäude neu gegründet werden. Eine Variante ohne Pfahlgründung, die 500.000 Euro gespart hätte, erwies sich als nicht machbar.

Die Verwaltung beziffert die Gesamtkosten auf 4,948 Mio. Euro. Das sind 170.000 Euro mehr als beim Projektbeschluss im Juni 2024. Bei 1.314 Quadratmetern Bruttogrundfläche ergeben sich rund 3.770 Euro je Quadratmeter (4,948 Mio. Euro : 1.314 m²). Ein Risikozuschlag von 480.000 Euro für Baupreissteigerungen und unvorhergesehene Befunde steht zwar in der Vorlage, ist in dieser Summe aber ausdrücklich nicht enthalten. Realistisch sind also rund 5,43 Mio. Euro. Eine Photovoltaikanlage ist ebenfalls nicht eingepreist.

Bezahlt ist das Ganze noch lange nicht. Von den 4,09 Mio. Euro, die ab 2026 gebraucht werden, sind bis 2029 nur 2,53 Mio. Euro eingeplant. Die übrigen 1,56 Mio. Euro, also mehr als ein Drittel, wurden auf 2030 und später verschoben. Wie die Lücke geschlossen werden soll, erklärt die Verwaltung bemerkenswert offen: Sie rechnet damit, dass sich andere Bauvorhaben verzögern und dadurch Geld frei wird. Die Fertigstellung ist je nach Haushaltslage für 2028, 2029 oder 2030 angesetzt.

Ist das Haus fertig, kommen laut Vorlage jährliche Folgekosten von 211.000 Euro hinzu, überwiegend Abschreibungen und kalkulatorische Zinsen. Das sind rund 578 Euro an jedem Tag des Jahres (211.000 Euro : 365).

Kritik

Ein Baubeschluss, bei dem mehr als ein Drittel der künftigen Mittel ungedeckt ist und der Risikozuschlag außerhalb der Gesamtsumme geführt wird, nennt dem Gemeinderat einen zu niedrigen Preis. Darauf zu setzen, dass andere Projekte sich verspäten, ist keine Finanzierung, sondern Hoffnung. Bevor die Stadt mehr als fünf Millionen Euro in ein Haus auf Torf steckt, hätte sie die vollständigen Kosten samt Risiko offenlegen und die Mittel verbindlich sichern müssen. Eine Baustelle, die je nach Kassenlage gestreckt wird, droht das Projekt weiter zu verteuern.

GD 102/25/1: Gesamtsanierung Altes Forsthaus in Söflingen, Klosterhof 23, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 16. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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