Zehn alte Container für 1,6 Millionen Euro
Ulm stellt zehn gebrauchte Container als Klassenzimmer auf eine Wiese, zahlt 1,645 Mio. Euro und nimmt das Geld aus dem Kita-Ausbau
Was ist passiert?
Im Stadtteil Wiblingen teilen sich ein Gymnasium und eine Realschule ein Schulzentrum, das in den kommenden Jahren abschnittsweise saniert werden soll. Das Gymnasium unterrichtet schon heute vier Klassen in Überseecontainern, die Realschule hat wegen steigender Schülerzahlen zu wenig Platz. Abhilfe sollen Container schaffen, die an der Pionierkaserne frei geworden sind, seit dort die Friedrich-List-Schule fertig ist. Es sind zehn Klassenzimmer, gebraucht, und das Mobiliar kommt aus dem Bestand.
Günstig ist der Umzug trotzdem nicht. Die Verwaltung veranschlagt 1,645 Mio. Euro, das sind rund 164.500 Euro je Klassenzimmer (1,645 Mio. Euro geteilt durch 10). Hinzu kommen jährliche Folgekosten von 145.600 Euro und eine Pacht, deren Höhe offenbleibt.
Der Preis hat auch mit dem Standort zu tun. Als kostengünstigste und baulogistisch einfachste Lösung bezeichnet die Stadt selbst den Parkplatz zwischen Sporthalle und Tannenplatzschule. Dort liegen zwei städtische Gebäude mit allen Anschlüssen direkt nebenan. Der Parkplatz soll jedoch für eine Neugestaltung des Tannenplatzes frei bleiben, die laut Vorlage „noch nicht gesichert“ ist. Stattdessen sollen die Container auf eine Wiese vor den Wohnhäusern der UWS. Dafür braucht es eine frostfreie Gründung, einen Zaun gegen Ärger mit den Bewohnern, eine befestigte Feuerwehrfläche und Leitungen, die zum Teil vom Wiblinger Ring herangeführt werden müssen. Die Verwaltung spricht von „etwas höheren Kosten“.
Bezahlt war davon nichts. Weder im Haushalt 2026 noch in der Finanzplanung waren Mittel vorgesehen. Im März gab ein Ausschuss grünes Licht, und eine Million Euro wurde umgeschichtet, damit bereits vorliegende Rechnungen beglichen werden konnten. Ab einer Million Euro ist allerdings der Gemeinderat zuständig. In der Vorlage heißt es dazu knapp: „Es wurde versäumt.“ Ende April sollte der Gemeinderat nachträglich zustimmen. Das Geld soll vom Forsthaus Söflingen (1 Mio. Euro) und von der Kita-Ausbauoffensive 4 (645.000 Euro) kommen. Wann diese Projekte das Geld zurückerhalten, ist in der Finanzplanung nicht geregelt. Die Lücke wurde auf 2030 und später verschoben.
Kritik
Dass Schulraum knapp wird, kommt nicht über Nacht, und deshalb gehört ein Projekt dieser Größe vorab in den Haushalt. Stattdessen wurde gebaut und abgerechnet, bevor das zuständige Gremium gefragt war. Bezahlt wird mit Geld, das für Kitas und ein Forsthaus vorgesehen war und dessen Ersatz erst irgendwann nach 2030 kommen soll. Wer dann noch den günstigsten Standort zugunsten einer ungesicherten Stadtplanung verwirft, gibt Steuergeld ohne Not leichtfertig aus.
GD 146/26: Genehmigung von außerplanmäßigen Auszahlungen in Höhe von 1.645.000 € beim Projekt Nr. 7.21200310 (SZ Wiblingen - Interimscontainer), Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 28. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.