350.000 Euro für ein Stück Straße auf Probe
Augsburg will in der Fuggerstraße für 350.000 Euro ein Probestück der neuen Straße bauen, das später zwingend wieder abgerissen werden muss
Was ist passiert?
Die Fuggerstraße folgt in Augsburg dem Verlauf der ehemaligen Wallanlagen vom Königsplatz bis zum Staatstheater. Seit einem Ideenwettbewerb aus dem Jahr 2008 soll ihr nördlicher Abschnitt zum „Augsburg-Boulevard“ werden, mit breiten Gehwegen und vier neuen Baumreihen. 2014 beschloss der Stadtrat dafür ein Projekt über knapp 10,5 Mio. Euro. Umgesetzt wurde es bis heute nicht. Mit den gestiegenen Baupreisen rechnet die Verwaltung inzwischen mit mindestens 18,2 Mio. Euro.
Nun soll es bescheidener gehen: weniger Umbau, mehr Entsiegelung, Grün auf Fahrspuren, die kaum noch gebraucht werden. Bevor diese sparsamere Lösung geplant wird, will die Stadt sie aber erst einmal ausprobieren. Zwischen Königsplatz und Holbeinstraße soll ein 25 bis 30 Meter breiter Streifen quer über die gesamte Straße als Musterfläche im Maßstab 1:1 entstehen, mit echtem Plattenbelag, neuem Stadtmobiliar und Begrünung. Geschätzt sind 325.000 Euro für den Bau und rund 25.000 Euro für einen Architekten, der die Fläche baukünstlerisch begleiten soll. Zusammen 350.000 Euro.
Die Fläche ist für mindestens ein Jahr gedacht. Das sind rund 960 Euro pro Tag (350.000 Euro geteilt durch 365 Tage), damit Bürger einen Probeabschnitt begehen und online kommentieren können.
Eine einfache Pop-up-Fläche mit Pflanzkübeln, Hochbeeten und provisorischen Belägen lehnte die Verwaltung ab. Sie könne die gewünschte Qualität nicht simulieren und altere schlechter. Wie lange die hochwertige Variante überhaupt halten darf, steht in derselben Vorlage: Unter Gehwegen und Fahrbahn liegen zahlreiche Leitungen, die beim endgültigen Umbau erneuert werden müssen. Die Musterfläche müsse deshalb „zwingend zurückgebaut werden“. Allenfalls Platten oder Ausstattung ließen sich womöglich wiederverwenden.
Zudem gibt es gerade wegen ihres vorübergehenden Charakters keine Fördermittel für die Fläche. Der spätere Gesamtumbau wäre über die Städtebauförderung zuwendungsfähig, die Probe zahlt die Stadt allein.
Die Vorlage war für den Bauausschuss am 12. März 2025 vorgesehen. Gebaut werden sollte im Herbst 2025, realistischer erschien der Verwaltung das Frühjahr 2026.
Kritik
Wer nach einer günstigeren Lösung sucht, sollte nicht mit einer teuren Generalprobe beginnen. 350.000 Euro für eine Fläche, deren Abriss schon bei der Planung feststeht und für die es keinen Cent Förderung gibt, sind schlicht verlorenes Geld. Für ein Jahr Anschauung und Bürgerbeteiligung hätte eine einfache, provisorische Gestaltung ausgereicht. Das gesparte Geld wäre im echten, förderfähigen Umbau besser angelegt.
BSV/25/11997: Neugestaltung der Fuggerstraße - Herstellung einer Musterfläche, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 26. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.