350.000 Euro für ein Stück Straße zum Abreißen
Augsburg baut 30 Meter der Fuggerstraße zum Anschauen neu, obwohl das Stück beim echten Umbau wieder herausgerissen werden muss
Was ist passiert?
Die Fuggerstraße verläuft am Rand der Augsburger Innenstadt entlang der ehemaligen Wallanlagen. Seit 2009 will die Stadt sie zum „Augsburg-Boulevard“ aufwerten. Südlich des Königsplatzes ist das gelungen, im nördlichen Abschnitt bis zum Staatstheater nicht. 2014 beschloss der Stadtrat einen Umbau für knapp 10,5 Mio. Euro. Er kam nie zustande, weil er zu teuer war und man über die Bäume stritt. Heute rechnet die Verwaltung mit mindestens 18,2 Mio. Euro.
Statt zu bauen, will die Stadt nun erst einmal ausprobieren. Ein Streifen von etwa 25 bis 30 Metern soll im Maßstab 1:1 so hergerichtet werden, wie die Straße später aussehen könnte: neue Beläge, neues Stadtmobiliar, entsiegelte und begrünte Flächen. Veranschlagt sind rund 325.000 Euro nach grober Schätzung, dazu etwa 25.000 Euro für die künstlerische Begleitung durch einen Architekten. Eine einfache Pop-up-Lösung mit Pflanzkübeln und Hochbeeten lehnte die Verwaltung ab. Sie könne die angestrebte Qualität nicht simulieren.
Der Haken steht in der Vorlage selbst. Unter der Straße liegen zahlreiche Leitungen, die beim endgültigen Umbau erneuert werden müssen. Die Musterfläche müsse dann „zwingend zurückgebaut“ werden. Allenfalls Platten oder Mobiliar ließen sich womöglich weiterverwenden. Weil die Fläche nur vorübergehend besteht, gibt es auch keine Fördermittel, obwohl der Gesamtumbau aus der Städtebauförderung bezuschusst werden könnte. Die 325.000 Euro stammen aus dem Ansatz für den Ausbau innerstädtischer Geh- und Radwege.
Die Erprobung ist auf mindestens ein Jahr angelegt. Bei genau einem Jahr kostet jeder Testtag rund 960 Euro (350.000 Euro geteilt durch 365 Tage). Die Verwaltung beruhigt mit dem Hinweis, die Probe mache nur etwa zwei Prozent der Gesamtkosten aus. Allerdings gibt es diesen Gesamtumbau noch gar nicht. Er soll zunächst neu und günstiger geplant werden. Gebaut werden sollte die Musterfläche frühestens im Herbst 2025, als realistischer galt das Frühjahr 2026.
Kritik
Augsburg gibt 350.000 Euro für ein Stück Straße aus, dessen Abriss schon bei der Planung feststeht. Wer nach 16 Jahren Planung noch nicht weiß, wie die Fuggerstraße aussehen soll, braucht Entscheidungen im Stadtrat und keinen teuren Probebau. Für die Bürgerbeteiligung hätte eine einfache temporäre Fläche genügt. Dass das Geld ausgerechnet aus dem Topf für Geh- und Radwege kommt, macht die Sache nicht besser.
BSV/25/12341: Bewilligung außerplanmäßiger Ausgabemittel gemäß Art. 66 GO in Höhe von 325.000 € für die Herstellung einer Musterfläche im Vorgriff auf eine Neugestaltung der Fuggerstraße, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 8. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.