Augsburg kauft Leihräder, die kaum einer fährt
Augsburg erwartet 2026 fast 400.000 Euro Verlust mit Leihrädern, kauft aber 80 E-Bikes dazu, obwohl es weniger Ausleihen gibt als früher
Was ist passiert?
Wer in Augsburg spontan aufs Rad steigen will, braucht kein eigenes. Die Stadt betreibt über die swa Carsharing das Leihradsystem swabi, gefördert aus dem Bundesprogramm „Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV“. Die Räder sollen Bus und Straßenbahn ergänzen und stehen an 510 Standorten zum Ausleihen und Zurückgeben bereit.
Mit dem Neustart im Oktober 2024 wurde das Angebot kräftig ausgebaut. Die Flotte umfasst 700 mechanische Räder und 240 E-Bikes, zusammen 940 Fahrzeuge und damit deutlich mehr als beim Vorgängersystem swa Rad. Ab April sollen weitere 80 E-Bikes hinzukommen. Die Nachfrage hielt mit diesem Wachstum nicht Schritt. Im Jahr 2025 erreichte swabi nur 75 Prozent der Ausleihen, die das kleinere Altsystem 2023 verzeichnet hatte. Registriert waren Ende 2025 14.246 Kunden, weniger als die rund 15.000 im alten System. Selbst im besten Monat, dem Juli, kam swabi auf 0,3 Fahrten pro Rad.
Die Stadt führt das auf die lange Pause zwischen beiden Systemen zurück: Von Dezember 2023 bis Oktober 2024 gab es keine Leihräder, die Nachfrage sei spürbar eingebrochen und müsse erst wieder geweckt werden. Das mag einen Teil erklären. Warum man in dieser Lage noch mehr Räder bestellt, erklärt es nicht.
Billig ist das Ganze nicht. Für 2026 rechnet die Stadt mit einem Defizit von mindestens knapp 400.000 Euro. Verteilt auf die dann 1.020 Räder sind das rund 390 Euro je Rad und Jahr (400.000 Euro geteilt durch 1.020). Wie hoch der städtische Zuschuss nach Ende der Bundesförderung ausfällt, kann die Verwaltung nicht sagen, in der Aufbauphase gebe es keine belastbaren Zahlen. Ein Ausstieg wäre ebenfalls schwierig. Für die Räder gilt eine Zweckbindung von sechs Jahren, für die Nachlieferung bis April 2032. Bis dahin setzt die Stadt auf Rabattaktionen, Standortpartnerschaften, Werbeflächen und Verbesserungen an der App.
Kritik
Wer ein Angebot vergrößert, das schon in kleinerem Umfang nicht ausgelastet war, vergrößert vor allem das Defizit. Statt weitere 80 E-Bikes zu beschaffen, hätte die Stadt zuerst Kundschaft für die vorhandenen 940 Räder gewinnen und die für Ende 2026 angekündigte Fraunhofer-Auswertung abwarten müssen. Mit der Zweckbindung bis 2032 hat sie sich an ein System gekettet, dessen dauerhafte Kosten sie selbst nicht beziffern kann. Läuft die Förderung aus, trägt die Stadtkasse dieses Risiko allein.
INF-ANF/25/61565-1: Anfrage der Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 16. Oktober 2025: Erfahrungen mit dem Bikesharing, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 24. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.