Fontänen statt Finanzierung
Für die 7,744 Mio. Euro teure Neugestaltung des Helmut-Haller-Platzes sind gerade einmal 1,7 Mio. Euro gesichert, der Rest soll unter anderem aus Radwegen und einem anderen Bahnhofsprojekt kommen.
Was ist passiert?
Der Helmut-Haller-Platz im Stadtteil Oberhausen ist ein dreieckiger Platz vor dem denkmalgeschützten Bahnhof. Bahn, Straßenbahn und Busse treffen sich hier, darunter liegt eine Tiefgarage. Bekannt ist der Platz vor allem als Treffpunkt suchtkranker Menschen. Die Stadtverwaltung räumt selbst ein, dass es dort „objektiv betrachtet kein Sicherheitsproblem“ gibt, der Platz aber gemieden werde. Die Szene und ihr Betreuungsangebot sollen ohnehin in eine nahe Einrichtung in der Grafstraße umziehen. Das hat der Stadtrat bereits im Juli 2024 beschlossen.
Trotzdem soll der Platz für 7,744 Mio. Euro neu gestaltet werden. Vorgesehen sind gesägter Naturstein, ein bodengleiches Fontänenfeld vor dem Bahnhof, eine Stahlpergola mit Gründach, Inseln für Tischtennis, Teqball und Boule sowie 39 neue Bäume. Allein Oberbau und Deckschichten schlagen mit rund 1,44 Mio. Euro netto zu Buche. Hinzu kommen Hochsicherheitspoller gegen Überfahrtaten, obwohl laut Vorlage keine konkrete Gefährdungslage besteht und keine detaillierte Gefährdungsanalyse vorliegt. Für den Unterhalt von Platz und Fontänenfeld fallen künftig jährlich rund 40.000 Euro an.
Bezahlt ist davon wenig. Gesichert ist eine Rücklage von 1,7 Mio. Euro, also gut ein Fünftel der Summe (1,7 von 7,744 Mio. Euro). Die übrigen 6,044 Mio. Euro sollen aus anderen Töpfen zusammengetragen werden. Dazu zählen Planungsmittel für das Textilviertel, den Herrenbach und den Stephansplatz, 1,97 Mio. Euro für den Bahnhofsvorplatz West und 1,5 Mio. Euro für den Ausbau von Geh- und Radwegen. Die Förderung von grundsätzlich 60 Prozent der förderfähigen Kosten ist noch nicht beantragt. Wie viel die Deutsche Bahn für ihre Flächen beisteuert, ist offen.
Dabei drängt die Zeit. Die Verwaltung rechnet mit bis zu 5 Prozent Baukostensteigerung pro Jahr. Beginnt der Bau erst 2027, kostet der Platz 8,132 Mio. Euro. Das sind rund 388.000 Euro mehr für ein Jahr Verzögerung (8,132 minus 7,744 Mio. Euro). Selbst dann könne die Neugestaltung, so die Verwaltung, „nur den Rahmen für eine positive Entwicklung bieten“.
Kritik
Wer für einen Platz ohne objektives Sicherheitsproblem 7,7 Mio. Euro ausgeben will, sollte zumindest wissen, wie er das bezahlt. Stattdessen soll Augsburg Geld aus Radwegen und anderen Stadtteilprojekten umschichten, bevor Förderung und Bahnanteil feststehen. Ein schlichterer Umbau, der Vorfahrt, Radabstellplätze und den barrierefreien Zugang ordnet, sollte genügen, Naturstein und Fontänen sind Kür. Hochsicherheitspoller gehören erst dann in die Planung, wenn eine Gefährdungsanalyse sie begründet.
BSV/25/61009: Neugestaltung Helmut-Haller-Platz (Projektbeschluss), Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 21. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.