Bis zu 14 Jahre zu spät, sieben Pumpwerke weniger
Deutschland gab 38,79 Mio. Euro für die Rehabilitierung ägyptischer Pumpstationen. Fertig wurden 14 von 21 Stationen, die Pumpkapazitäten gelten laut Bericht als überdimensioniert.
Was ist passiert?
Ägyptens Landwirtschaft hängt fast vollständig an Bewässerung. Weil viele Felder kaum über dem Meeresspiegel liegen, heben Pumpstationen Wasser auf die Äcker und pumpen überschüssiges ab, damit Böden nicht vernässen und versalzen. Viele der über 1.500 Stationen waren 1998 weit über ihre Lebensdauer hinaus. Das BMZ finanzierte daher die Rehabilitierung von 21 Stationen. Fertig wurden 14.
Geplant war das Bauende für den 30.06.2004 (Phase I) und den 30.09.2010 (Phase II), tatsächlich wurde es für beide der 30.06.2018. Phase I war damit 14 Jahre verspätet (2018 minus 2004), Phase II knapp acht Jahre. Der Finanzierungsvertrag der ersten Phase stammt von 1999, gebaut wurde ab 2007. Die Prüfung der zweiten Phase wurde 2001 trotzdem in Auftrag gegeben, als in Phase I noch keine Baumaßnahme begonnen hatte. Planungs- und Ausschreibungsunterlagen waren laut Bericht oft unzureichend oder fehlerhaft. Pumpen und Sensoren wurden teilweise Jahre vor Baubeginn bestellt und unsachgemäß gelagert oder entsprachen bei Baubeginn nicht mehr den Standards. 2016 wurden die noch nicht gebundenen Mittel gekürzt, nachdem der Partner den Durchführungsconsultant nicht über 2014 hinaus verlängern wollte und eine Neuausschreibung scheiterte.
Statt zu reparieren, entstanden an drei Standorten der Phase I und an allen der Phase II neue Stationen, häufig direkt neben den alten, die in einigen Fällen weiterlaufen. Die Gebäude bezahlte der Partner aus Eigenmitteln. Der Bericht bewertet die Kapazitäten als überdimensioniert: Bei Besuchen liefen teilweise nur eine oder zwei Pumpen. In Zaghloul lief im Oktober und November an 34 von 55 Tagen nur eine Pumpe, an keinem Tag alle. Der Bericht merkt an, dass im Frühwinter grundsätzlich weniger Wasser bewegt wird und in wasserreicheren Monaten mehr Pumpen laufen dürften, eine Pumpe aber überall Reserve bleibt. Bei der Prüfung hatte man wegen des knappen Wartungsbudgets mit Kapazitätsverlusten gerechnet, zudem verlängert Reservekapazität die Lebensdauer. Weil die Pumpen mit 70 bis 85 Prozent Wirkungsgrad gut gewartet laufen, hält der Bericht die Kapazitäten dennoch für überdimensioniert. In der besuchten Bewässerungsstation El Thawra brachte die Investition keine positive Wirkung, weil zu wenig Wasser ankommt.
Statt 79,24 Mio. Euro kostete das Vorhaben 135,45 Mio. Euro, also 56,21 Mio. Euro mehr (135,45 minus 79,24). Die Mehrkosten trug Ägypten, dessen Eigenanteil von 24,91 auf 96,76 Mio. Euro stieg. Der deutsche Beitrag aus Zuschuss, Darlehen und Verbundfinanzierung blieb mit 38,79 Mio. Euro um 17,45 Mio. Euro unter den geplanten 56,24 Mio. Euro (56,24 minus 38,79), laut Bericht wegen geringerer Kosten der Maßnahmen und weniger Stationen.
Die KfW führt die Verzögerungen vor allem auf die schwierige Zusammenarbeit mit dem Partner und dessen geringe Kapazitäten zurück, dazu auf die Unruhen 2011. In Phase II bestand sie auf einem Durchführungsconsultant, der laut Bericht eine verringerte Zielerreichung noch möglich machte. Wo rehabilitiert wurde, war die Rehabilitierung erfolgreich: An den besuchten Entwässerungsstationen berichten Bauern von meist 20 bis 30 Prozent höheren Erträgen, das Ziel von 5 Prozent wurde in vier von fünf Stationen deutlich übertroffen. Die Wartung wird positiv bewertet, die Nachhaltigkeit erhielt die Note 2. Gesamturteil: eingeschränkt erfolgreich, es dominieren die positiven Ergebnisse, die Effizienz ist mit Note 4 nicht zufriedenstellend.
Kritik
Eine zweite Phase zu prüfen und auszuweiten, während in der ersten noch kein Bauabschnitt begonnen hatte, stellt der Bericht selbst in Frage. Deutsches Geld floss teilweise in Equipment, das Jahre vor Baubeginn bestellt, unsachgemäß gelagert oder bei Baubeginn veraltet war, und in Pumpkapazitäten, die der Bericht als überdimensioniert bewertet. Dass die KfW in Phase II auf einem Consultant bestand, war richtig und rettete einen Teil der Ziele. In Phase I aber übernahm der Partner trotz bald erkannter Defizite lange allein die Abwicklung, ein Consultant kam erst Jahre später hinzu. Die Mehrkosten zahlte Ägypten, für die nicht gebauten Stationen zahlte Deutschland nicht. Doch für 38,79 Mio. Euro wurde mit 14 statt 21 Stationen eine deutlich kleinere Zielgruppe erreicht als geplant, mit bis zu 14 Jahren Verspätung.
Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2021. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-199866583, DE-1-200165902.