Staatsbilanz

Ausland/Ägypten

Mehr als 18 Millionen für ein Auslaufmodell

Für mehr als 18 Mio. Euro wurden in Ägypten Kessel eines Kraftwerks erneuert, das danach nur selten lief und nun stillgelegt werden soll

Was ist passiert?

Ägypten erzeugte seinen Strom zu fast 90 % in thermischen Kraftwerken, Stromabschaltungen trafen Haushalte wie Industrie. Mit Geld des BMZ sollten deshalb zwei ältere Dampfkraftwerke modernisiert werden. In Damanhour wurde die Leittechnik erneuert, in Ataka wurden zwei Dampfkessel modernisiert. Die Anlagen sollten mehr Strom liefern, weniger Brennstoff verbrauchen und die Luft entlasten. Die Arbeiten wurden ordentlich ausgeführt. Gebraucht wurden die Kraftwerke danach kaum.

Während der Umsetzung baute Ägypten in großem Stil neue, effizientere Kraftwerke. Am Standort Ataka selbst ging 2015 ein neues Gaskraftwerk mit 640 MW in Betrieb. Der Liefervertrag für die Kesselsanierung nebenan war erst 2014 unterschrieben worden. Heute verfügt das Land über mehr als 59 GW Leistung, die installierte Kapazität übersteigt die Spitzenlast um rund 85 %. Eingesetzt werden zuerst die effizientesten Anlagen, die beiden alten Dampfkraftwerke gehören nicht dazu.

Statt 5.500 GWh im Jahr lieferten beide Kraftwerke 1.907 GWh. 1.907 GWh geteilt durch 5.500 GWh ergibt rund 35 Prozent des Ziels. Ataka, dessen Sanierung mehr als 18 Mio. Euro kostete, lief nur selten und soll stillgelegt werden. Damanhour soll voraussichtlich 2035 vom Netz gehen und lief im Wirtschaftsjahr 2022/2023 zu 52 % mit Schweröl, weil Gas fehlte. Statt null Tonnen Schwefeldioxid wurden dort ca. 10.500 t ausgestoßen. Geplant war, den CO2-Ausstoß um 150.000 t im Jahr zu senken. Tatsächlich wurden ca. 170.000 t CO2 mehr ausgestoßen als geplant.

Die KfW hat das Vorhaben in ihrer eigenen Evaluierung mit der Note 5 bewertet, „überwiegend nicht erfolgreich“. Sie verweist auf die veränderten Rahmenbedingungen, die Gasknappheit und die schwierige politische Lage nach der arabischen Revolution. Zugleich räumt sie ein, dass hohe weitere Kraftwerkskapazitäten schon 2008 geplant waren und eine Überprüfung wegen der Verzögerungen möglich gewesen wäre. Die Sanierung in Ataka nennt sie ineffizient, die Maßnahmen seien annähernd wirkungslos geblieben. Aus heutiger Sicht würde das Vorhaben voraussichtlich nicht mehr durchgeführt.

Kritik

Wer ein altes Kraftwerk saniert, während daneben ein neues ans Netz geht, investiert in eine Anlage ohne Zukunft. Die Ausbaupläne waren bekannt, und die jahrelangen Verzögerungen hätten Zeit für eine Neubewertung geboten. Spätestens vor der Vertragsunterzeichnung 2014 hätte die Sanierung in Ataka gestoppt und das Geld umgewidmet werden müssen. Dass am Ende mehr CO2 statt weniger ausgestoßen wurde, macht den Fehlgriff vollständig.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2024. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200966952.

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