Staatsbilanz

Ausland/Namibia

Flutfeste Straßen, teuer gebaut und knapp unterhalten

Statt geplanter 0,64 Mio. Namibia-Dollar kostete in der zweiten Bauphase jeder Kilometer Zugangsstraße 2,1 Mio., und zur Finanzierung der Instandhaltung wurde mit den Partnern nichts vereinbart.

Was ist passiert?

Im dicht besiedelten Norden Namibias stehen in der Regenzeit weite Flächen bis zu drei Monate unter Wasser. Schulen und Kliniken sind dann oft abgeschnitten. Das BMZ bezahlte deshalb über die KfW den Bau von 31 erhöhten Zugangsstraßen mit rund 120 km in den Regionen Omusati und Ohangwena. Sie binden 33 Schulen, 9 Kliniken und eine Außenstelle an. Das Ziel wurde erreicht: Keine der befragten Einrichtungen gab an, wegen unpassierbarer Straßen geschlossen worden zu sein. Die Patientenbesuche in den angebundenen Gesundheitseinrichtungen stiegen um 49 % statt der angestrebten 20 %, die Effektivität bewertet der Bericht als erfolgreich (2).

Teuer wurde es trotzdem. In Landeswährung verdoppelten sich die Gesamtkosten von 124,2 auf 248,24 Mio. NAD. Je Kilometer waren 0,64 Mio. NAD geplant, in Phase II wurden es 2,1 Mio. NAD, gut das Dreifache (2,1 geteilt durch 0,64). Die KfW nennt Inflation von rund 5,5 % im Jahr, einen höheren Ausbaustandard, zusätzliche Durchlässe und in Phase II begrenzten Wettbewerb. Phase I lag mit 1,4 Mio. NAD je km nahe an vergleichbaren Straßen und gilt als akzeptabel, Phase II laut Bericht auch inflationsbereinigt deutlich darüber. Ein Teil der Mehrkosten geht auf den arbeitsintensiven Bau in kleinen Losen zurück, den der Bericht wegen Beschäftigung, Armutsminderung und Professionalisierung der Bauwirtschaft als akzeptabel einstuft. Die Beraterkosten stiegen von geschätzten 8 auf 23,1 Mio. NAD, unter anderem wegen zusätzlicher Straßen und weil die Phasen nacheinander statt parallel liefen. Mit rund 9 % der Baukosten gelten sie für den Kontext als angemessen. Statt viereinhalb dauerte das Vorhaben etwas über 9 Jahre, auch wegen starker Regenfälle und Covid-Lockdowns.

Der deutsche Zuschuss blieb stabil: Laut Bericht flossen 8,73 Mio. Euro statt geplanter 8,80 Mio. Euro. Die Abwertung des Namibia-Dollars fing einen erheblichen Teil der Mehrkosten auf, den Rest trug Namibia.

Die Evaluierung bemängelt die Auslegung. Die kürzeren Straßen nutzen vor allem Lehrer und Gesundheitspersonal, mehrheitlich zum Wochenendpendeln. Bei Ortsbesuchen waren Straßen teils „für den Kontext deutlich zu breit“. Rentabel sein können laut einer Kosten-Nutzen-Analyse die längeren Straßen, nicht die kurzen mit wenig Verkehr. Vereinbarungen über Instandhaltungsmittel wurden mit den namibischen Partnern nicht getroffen. Heute sind 25 % der Straßen in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand, der Bericht sieht sie „am Kipppunkt“. Die Roads Authority hat beschädigte Abschnitte repariert, die Straßen sind ganzjährig nutzbar, und der Bericht erwartet, dass sie das notwendige Minimum zum Erhalt weiter leistet. Zugleich binden die Straßen Wartungsgeld, das dem Hauptnetz fehlt.

Kritik

Der ganzjährige Zugang zu Schulen und Kliniken ist ein echter Gewinn, doch ein großer Teil des Geldes floss in einheitlich ausgebaute Straßen, auf denen kaum Verkehr herrscht. Wer kurze Zufahrten für Pendler genauso auslegt wie Zubringer mit Hunderten Nutzern, verschenkt Geld: Eine differenzierte Auslegung hätte laut Bericht mehr Straßen ermöglichen oder die Kostenüberschreitung verringern können. Vor dem ersten Spatenstich hätten Nutzerzahlen geprüft, Kliniken vorrangig angebunden und die Instandhaltung verbindlich mit dem Partner vereinbart werden müssen. So steht eine Investition von 14,76 Mio. Euro auf einem unzureichenden Instandhaltungsbudget, und ihre Wirkung wird laut Bericht nur in reduziertem Umfang fortbestehen.

Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2026. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-201297605.

Weitere Vorgänge im Ausland

  1. 2026PeruTransparenzportalAusgabe mit Nachfrage 20 Millionen Euro Zuschuss für Radwege in Lima 15,2 Mio. € Das BMZ bezahlt der Stadtverwaltung von Lima den Ausbau ihres Radwegenetzes als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt wird. Bis September 2026 flossen 15,2 Mio. Euro.
  2. 2026UkraineTransparenzportalAusgabe mit Nachfrage 5 Millionen Euro Entwicklungsgeld für die Fußball-EM 2012 5,1 Mio. € Das BMZ bezahlte der Ukraine und vier Gastgeberstädten über die GIZ Beratung zu Flughäfen, Nahverkehr, Standortmarketing und Tourismus für die UEFA EURO 2012.
  3. 2026BrasilienTransparenzportalAusgabe mit Nachfrage 1,25 Millionen Euro Entwicklungsgeld für das Deutschlandjahr in Brasilien 1,2 Mio. € Ziel der Maßnahme war laut Portal, die Position Deutschlands als Partner Brasiliens zu stärken. Bezahlt wurde aus dem Etat des Entwicklungsministeriums.

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz