15 Millionen für Korridore, die es nie gab
Das BMZ zahlte 15,04 Mio. Euro für zwei Schutzkorridore auf 40 Mio. Hektar brasilianischem Regenwald, eingerichtet wurde laut KfW kein einziger.
Was ist passiert?
Amazonien und der Atlantische Regenwald an der Küste Brasiliens gehören zu den artenreichsten Wäldern der Welt. Der Atlantische Regenwald hat bereits über 90 % seiner ursprünglichen Fläche verloren. Viele Arten überleben nur, wenn ihre verbliebenen Lebensräume miteinander verbunden sind. Genau das sollte ein Vorhaben leisten, für das das BMZ 15,04 Mio. Euro bezahlte. Von 2007 bis 2014 sollten in den Bundesstaaten Amazonas, Bahia und Espírito Santo zwei riesige ökologische Korridore entstehen, die Schutzgebiete auf 40 Mio. Hektar zusammenhängend sichern.
Eingerichtet wurde kein einziger. Laut der Evaluierung der KfW Entwicklungsbank aus dem Jahr 2017 gab es zwar zahlreiche Einzelmaßnahmen in einer Region von 73,8 Mio. Hektar, aber keine dauerhaften Korridore, weder rechtlich noch institutionell noch in der Raumordnung. Von den geplanten Leistungen kamen in Amazonien 61 % zustande, im Atlantischen Regenwald 55 %. Ein eingerichtetes Kurzwellenfunksystem wurde nicht genutzt. Ein Überwachungsschiff der Militärpolizei wurde so mangelhaft repariert, dass es keine Betriebsgenehmigung erhielt. In einem mit Projektgeld erweiterten Gebäude der Naturschutzbehörde ICMBio wurden nur 50 % der Flächen genutzt. Im Atlantischen Regenwald nahm die Vegetationsdichte in den geförderten Schutzgebieten sogar stärker ab als in den übrigen, um 4,5 % gegenüber 2,5 %.
Die Planung war maßlos. Für Maßnahmen im Amazonaskorridor standen 5,39 Mio. Euro für 52 Mio. Hektar bereit, rund 10 Cent je Hektar (5,39 Mio. Euro geteilt durch 52 Mio. Hektar). Zugleich flossen 32 % der Mittel in Koordination, Verwaltung und Beratung. Brasilien brachte statt der geplanten 8,24 Mio. Euro nur 1,70 Mio. Euro auf. Nach zahlreichen Verlängerungen wurden 2,32 Mio. Euro für ein Grundstücksregister umgewidmet.
Die KfW vergab selbst die Note 4, also nicht erfolgreich. Sie verweist auf eine zentralisierte, schwerfällige Verwaltung. Außerdem habe sich das Interesse Brasiliens bei Projektbeginn bereits von den Großkorridoren abgewandt, ab 2010 fehlte jede politische Unterstützung. Als Erfolg nennt sie kleine „Mini-Korridore“ auf privaten Flächen. Am verfehlten Hauptziel ändert das nichts.
Kritik
Wer mit 15,04 Mio. Euro Korridore auf Dutzenden Millionen Hektar schaffen will, plant an jeder Realität vorbei. Spätestens als Brasilien das politische Interesse verlor und seinen Eigenanteil nicht aufbrachte, hätte das Vorhaben gestoppt oder auf wenige Teilgebiete beschränkt werden müssen, wie es die KfW im Nachhinein selbst empfiehlt. Stattdessen wurde jahrelang verlängert, und das Geld floss in Verwaltung, ungenutzte Technik und halb leere Gebäude. Solche Großprojekte dürfen erst finanziert werden, wenn das Partnerland verbindlich mitzieht.
Ex-post-Evaluierung der KfW Entwicklungsbank, 2017. Zahlen gegen den Bericht geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßnahmen im Transparenzportal: DE-1-200165092.